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Archiv der Kategorie medizinisch-soziales Dolmetschen
Integrationslotsen übersetzen und beraten Eltern
16.7.2011 von Jessica Antosik.
Sprachliche Hürden einerseits und kulturelle Unterschiede andererseits stellen für ausländische Eltern, deren Kinder eine deutsche Schule besuchen, oftmals ein großes Problem dar. “[Die] kulturelle Barriere führt dazu, dass die Möglichkeiten nicht wahrgenommen werden, die es hier gibt”, bedauert Massimo De Carlo.
Aus diesem Anlass hat die Hebelschule in Lörrach, an der der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund rund 30 Prozent beträgt, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Kommission der Stadt Lörrach und dem Sozialen Arbeitskreis ein neues Projekt ins Leben gerufen: Integrationslotsen sollen die Eltern in verschiedenen Sprachen kostenlos unterstützen, sie auf Elternabenden begleiten und sie über den Schulalltag, Fördermöglichkeiten, Hausaufgaben oder Zeugnisse informieren. “Die Eltern haben die Möglichkeit, auf diese Personen zuzugehen und um Hilfe zu bitten”, sagt Sonja Eiche. Bisher werden die Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch und Russisch angeboten. “Wir möchten statt der Unterschiede die Gemeinsamkeiten hervorheben und wollen, dass Migranten sich wohlfühlen an der Schule und spüren, dass sie dazugehören”, erklärt Vedat Acikel.
Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: badische-zeitung.de, 12.07.2011. Bild: wikipedia.de.]
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Dänemark: Deutsche Minderheit muss keine Dolmetscher-Gebühr entrichten
9.5.2011 von Jessica Antosik.
Ab dem 1. Juli müssen in Dänemark Patienten, die zum Arzt gehen, kein Dänisch sprechen oder lediglich schlechte Kenntnisse der dänischen Sprache haben und einen Dolmetscher verlangen, 150 Kronen zahlen. Von dieser Regelung sind allerdings drei Gruppen nicht betroffen: Die Grönländer, Färinger und Mitglieder der Deutschen Minderheit in Nordschleswig. Der Innen- und Gesundheitsminister Bertel Haarder sagte am 03. Mai 2011 gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzaus Bureau des Weiteren, dass die Ausnahmeregelung ebenfalls für Personen unter 18 Jahren sowie für Patienten, die keine Möglichkeit gehabt haben, entsprechende Dänischkenntnisse zu erwerben, gilt.
Nun stellt sich die Frage, wie die Behörden nachvollziehen sollen, ob ein Patient zur Deutschen Minderheit gehört. Die Nationalität der Grönländer und Färinger steht in ihrem Pass. Seit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen im Jahre 1955, die die Anerkennung der Minderheit im jeweiligen Staat, d. h. der dänischen Minderheit in Deutschland und der deutschen Minderheit in Dänemark bestätigten, ist die Gesinnung jedoch frei. Theoretisch könnte sich also ein Einwanderer darauf stützen, Teil der Deutschen Minderheit zu sein und auf diese Weise 150 Kronen sparen. Das Ministerium äußerte sich dazu wie folgt:
Nach den Kopenhagen-Bonner Erklärungen zu den Rechten der Minderheiten im dänisch-deutschen Grenzland können die Behörden keine Gesinnungskontrolle bei den Mitgliedern der Minderheiten durchführen. Das bedeutet in der Praxis, dass wenn eine deutschsprechende Person sagt, dass sie Mitglied der Deutschen Minderheit ist, die betreffende Person dieses dann ist. Dies kann nach obengenannten Erklärungen nicht überprüft werden. Soweit es die Erhebung von Dolmetschergebühren belangt, hat man in der Bekanntmachung Rücksicht darauf genommen, dass ein Mitglied der Deutschen Minderheit möglicherweise z. B. in einem Krankenhaus außerhalb Nordschleswigs behandelt werden muss. Man sondiert somit nicht danach, wo in Dänemark ein Mitglied der Deutschen Minderheit sich nach dem Gesundheitsgesetz behandeln lässt. Die Behandlung kann also geschehen, ohne dass dem Mitglied der Deutschen Minderheit eine Dolmetschergebühr abverlangt wird.
Die zweite Vorsitzende des Sozialdienstes für Nordschleswig Emma Ganderup macht darauf aufmerksam, dass die Familienberaterinnen während der persönlichen Betreuung des Sozialdienstes für neu zugezogene Deutsche oftmals Dolmetscherfunktionen übernehmen und sowohl beim Arzt, bei den Gemeinden und Kommunen die Äußerungen der Personen ins Dänische übertragen.
Über Nordschleswig
Nordschleswig war ein Teil des Herzogtums Schleswig. Nach den Volksabstimmungen von 1920 wurde dieser Teil Schleswigs an das Königreich Dänemark übergeben. Nordschleswig erstreckt sich von der deutsch-dänischen Grenze bis an die Kongeå, im Westen bis Ribe und im Osten bis an den Kleinen Belt südlich von Kolding. Es leben dort rund 250.000 Menschen. Die deutsche Minderheit, die sich selbst als deutsche Volksgruppe bzw. deutsche Nordschleswiger bezeichnet, macht dabei heute etwa 8 bis 10 Prozent der Bevölkerung aus. Neben Dänisch und Südjütisch (Sønderjysk) wird in Nordschleswig Deutsch gesprochen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: nordschleswiger.dk, 04.05.2011. Bilder: Archiv; wikipedia.de.]
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Salzburger Landeskrankenhaus führt telefonischen Dolmetschdienst ein
7.11.2010 von Jessica Antosik.
Ab dem kommenden Dezember 2010 startet im Salzburger Landeskrankenhaus (LKH) ein telefonischer Dolmetschdienst in sieben Sprachen. Dieser Dolmetschdienst wird 24 Stunden am Tag erreichbar sein und soll fremdsprachigen Patienten schnell helfen.
Der Grund für die Einführung des telefonischen Dolmetschdienstes ist der Anstieg von Patienten mit Migrationshintergrund. Die hohe Mobilität und die extreme Sprachvielfalt in Europa spiegeln sich in der alltäglichen Patientenversorgung wider. Herbert Herbst von der Spitals-Pflegedirektion sagte: “Im vergangenen Jahr wurden in unseren Ambulanzen 12.500 Personen mit anderer Nationalität stationär aufgenommen. Das sind über 28 Prozent unserer Patienten.”
Sprachbarrieren sind im Notfall ein großes Problem und stellen das Krankenhauspersonal vor große sprachliche Herausforderungen insbesondere an Wochenenden oder nachts, wenn kein Dolmetscher im Hause ist. Dann gestaltet es sich schwierig, so schnell wie möglich einen externen Dolmetscher oder jemanden vom hausinternen Dolmetschdienst aufzufinden. Letzterer setzt sich aus 45 Krankenhausmitarbeitern zusammen, die über Kenntnisse in 20 Fremdsprachen verfügen.
Herbst sagte, dass für den Telefondienst, der in Zehn-Minuten-Intervallen abgerechnet werde, das Krankenhaus wesentlich weniger bezahlen müsse als für externe Dolmetschdienste. Dabei läuft die Kommunikation über eine Freisprechanlage oder über ein Handy ab. Der Patient schildert sein Leiden, der Dolmetscher überträgt anschließend für das Krankenhauspersonal und informiert schließlich den fremdsprachigen Patienten über die Therapie sowie Kontrolltermine. Die hausinternen Dolmetscher werden allerdings weiter beschäftigt, da Dolmetscher oftmals Kulturmittler seien und diese kulturelle Öffnung positive Ergebnisse bewirke, sogar das persönliches Leid verhindern und Folgekosten reduzieren könne, so Herbst.
Das Politprojekt wird in drei Fachbereichen, in denen viele Patienten mit Migrationshintergrund sowie Touristen betreut werden, eingeführt, d.h. in den Ambulanzen der Unfallchirurgie und Dermatologie und in der integrativen Wochenbettstation der Frauenklinik.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: krone.at, salzburg.orf.at, 27.10.2010. Bild: salk.at.]
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Migranten hadern mit deutschem Gesundheitssystem
28.7.2010 von Jessica Antosik.
Ein Allgemeinmediziner mit türkischen Wurzeln hat in Berlin-Kreuzberg eine Praxis und beschreibt folgendes Phänomen: „Deutsche fragen: ‚Was habe ich?’, Türken fragen hingegen: ‚Warum habe ich das?’“ Aufgrund dieser Mentalitätsunterschiede kommt es nicht selten zu Problemen. „Wenn der türkische Patient keine befriedigende Antwort auf seine Warum-Frage erhält, verliert er das Vertrauen in den Arzt.“ Dann geht er zum nächsten Arzt und holt sich dessen Meinung ein. Balimuhac nennt das „Doktor-Hopping“, bei dem die Migranten meist nicht zu selten, sondern vielmehr zu oft eine Praxis aufsuchen.
Der Mediziner sagt außerdem: „Migranten haben im Alltag fast doppelt so viele Unfallverletzungen wie Deutsche.“ Das ist natürlich hauptsächlich auf die fehlenden Deutschkenntnisse und somit darauf zurückzuführen, dass sie nicht richtig an den Maschinen eingewiesen werden (können).
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie diese Missverständnisse und Unfälle vermieden werden können. Die Antwort liegt in Dolmetscherdiensten. Der Gemeindedolmetschdienst Berlin (GDD) beispielsweise verfügt über 115 Dolmetscher, die 47 Sprachen abdecken.
Wenn Patienten wegen der Sprachbarrieren ihre Beschwerden nicht klar ausdrücken können und somit unnötiger diagnostischer Aufwand entsteht oder wenn sie Medikamente nicht richtig einnehmen, da sie den Beipackzettel nicht verstehen, kommt der medizinisch-soziale Dolmetscherdienst zum Einsatz. Dieser kann die Kosten erheblich senken und vor allem ermöglicht er eine korrekte medizinische Behandlung der Patienten.
In der Welt ist unter der Überschrift „Migranten hadern mit dem deutschen Gesundheitssystem“ ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema erschienen. Dieser unterstreicht die Wichtigkeit der sprachlichen Kenntnisse auf der einen Seite und die der Arbeit der Sprachmittler auf der anderen Seite.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Die Welt, 28.07.2010.]
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“Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Studie zur Sprachmittlung im Krankenhaus
19.7.2010 von Richard Schneider.
Anja Ausserhofer hat eine empirische Untersuchung zum Thema “Dolmetschen im Krankenhaus” durchgeführt. Untersuchungsgegenstand ist eine Diabetikerschulung im Krankenhaus Graz, an der mehrere Patientinnen aus Österreich und ein Tunesier, für den ein professioneller Dolmetscher hinzugezogen wurde, teilnahmen.
Das Buch umfasst drei Teile: Im ersten Teil wird ein allgemeiner Überblick über das medizinische Dolmetschen gegeben, wobei hier vor allem auf Themen wie Kinder als Dolmetscher, Laiendolmetscher vs. professionelle Dolmetscher und die verschiedenen Rollenprofile von Dolmetschern eingegangen wird. Der zweite Teil der Arbeit beinhaltet einen Forschungsüberblick über das medizinische Dolmetschen und im dritten Teil der Arbeit wird die eigentliche Untersuchung mit Hauptaugenmerk auf die Rolle des Dolmetschers vorgestellt.
Das Buch richtet sich an all jene, die sich einen Einblick in das medizinische Dolmetschen verschaffen wollen. Besonders wird hier das spezielle Dolmetschsetting berücksichtigt, bei dem nicht nur Arzt, Patient und Dolmetscher am Gespräch teilnehmen, sondern gleich mehrere Personen; aber nur für einen Teilnehmer wird gedolmetscht.
Anja Ausserhofer (2010): “Ich darf nix sagen, ich bin nur der Dolmetscher”: Dolmetschen im Krankenhaus. Eine empirische Untersuchung. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller. 120 Seiten, 49,00 Euro, ISBN 978-3639243963.
[Text: VDM. Quelle: VDM. Bild: VDM.]
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Klinikum Bad Hersfeld: Patienteninfo in 18 Sprachen
10.7.2010 von Richard Schneider.
Das Klinikum Bad Hersfeld kann ausländische Patienten seit Kurzem mit einer Broschüre in 18 Sprachen begrüßen, die die wichtigsten Infos zum Krankenhausaufenthalt enthält.
Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen allerdings vier Jahre. Zunächst wurde in Absprache mit Pflegekräften und Sozialarbeitern „ein verständlich erscheinender“ deutscher Text erstellt. Manches, wie etwa die „Grünen Damen“ war jedoch nicht so einfach zu übersetzen. In einer zweiten Fassung wurden diese daher allgemeinverständlicher als „ehrenamtliche Helfer“ bezeichnet.
„Von den häufigsten Sprachen fehlen uns noch Thai und Japanisch“, sagt Dr. Friedhelm Röder, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist seit 2003 der Migrantenbeauftragte des Klinikums. Bedarf bestehe auch für Tigrina, eine Sprache aus Somalia und Eritrea.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Hersfelder Zeitung, 2010-05-16.]
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Interkulturelle Kommunikation in der Rehabilitation
8.7.2010 von admin.
Ein Unfall mit wesentlichen Verletzungsfolgen stellt eine Ausnahmesituation im Leben eines Menschen dar. Auf die Akutbehandlung folgt eine viele Wochen oder Monate dauernde stationäre Rehabilitation in einem traumatologischen Rehabilitationszentrum. Dieser Aufenthalt ist eine mit Ängsten, Schmerzen, Unsicherheit und Hilflosigkeit verbundene Situation, in der die Kommunikation zwischen dem behandelnden Personal und den Patienten eine zentrale Rolle spielt.
Wie erleben die Mitarbeiter eine Rehabilitationszentrums die Kommunikation mit Patienten mit Migrationshintergrund? Wie verläuft diese Kommunikation aus sprachlicher Sicht? Gibt es sprachliche Barrieren? Was bedeuten diese und wie gehen die Mitarbeiter damit um? Welche anderen Aspekte beeinflussen die interkulturelle Kommunikation? Wie wirken sich kulturelle Aspekte wie zum Beispiel religiöse Bräuche, Essgewohnheiten, Familienbindung oder Schmerzempfinden und -ausdruck oder auch
unterschiedliche Formen des Krankheits- und Gesundheitsverstehens bzw. unterschiedlicher Umgang mit Behinderung aus
Die vorliegende Studie geht diesen und anderen Fragen nach und bietet (nicht nur) interessierten Mitarbeitern des Gesundheitssektors wertvolle Einsichten und Anregungen.
Die Autorin Dominique Dressler, MA, wurde in Frankreich geboren und wuchs in einer bikulturellen Familie in Österreich auf. Sie absolvierte den Masterstudiengang „Interkulturelle Kompetenzen“ an der Donau-Universität Krems und leitet heute den Bereich „Internationale Beziehungen“ der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA).
Dominique Dressler (2009): Interkulturelle Kommunikation in der stationären Rehabilitation nach Unfällen. Erfahrungen und Ansichten der MitarbeiterInnen eines Rehabilitationszentrums zur Kommunikation mit PatientInnen mit Migrationshintergrund. Göttingen: Cuvillier. 111 Seiten, 16,00 Euro, ISBN: 978-3-86727-907-9.
[Text: Cuvillier Verlag. Quelle: Cuvillier Verlag. Bild: Cuvillier Verlag.]
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