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Basel: Stetig steigende Dolmetschkosten für Justiz und Polizei
6.12.2011 von Richard Schneider.
Die Stadt Basel in der Schweiz klagt über stetig steigende Dolmetsch- und Übersetzungskosten für “delinquierende Asylsuchende und Kriminaltouristen aus Osteuropa”. Gerichte, Staatsanwaltschaft und Polizei müssen zusammen pro Jahr mehr als 355.000 Euro aufwenden. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft erklärt: “Wir brauchen die ganze Palette von Sprachen. Natürlich gehören auch europäische Sprachen wie Englisch oder Französisch dazu, doch vielfach geht es um afrikanische Sprachen, um Albanisch, Türkisch oder Arabisch.” Basel liegt im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz und hat gut 170.000 Einwohner. Die Basler Zeitung beziffert die Kosten wie folgt:
Die Justiz muss zunehmend Übersetzer beiziehen. Die Dolmetscherkosten der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt bewegen sich zwischen 2009 und 2011 zwischen rund 230′000 [186.312 Euro] und 250′000 Franken [202.513 Euro] pro Jahr. Hier ist über mehrere Jahre gesehen ein Anstieg festzustellen. Am meisten Dolmetscher braucht die Kriminalpolizei mit 37 Prozent, dazu die Allgemeine Abteilung mit 28 Prozent, gefolgt von der Jugendanwaltschaft mit 18 Prozent und der Wirtschaftsabteilung mit 17 Prozent. Gleich sieht es am Gericht aus: «Wir haben tendenziell mehr Übersetzungskosten», sagt Thomas Schweizer, Verwaltungschef am Strafgericht Basel-Stadt. Wendete das Strafgericht im Jahr 2000 noch rund 77′000 Franken [62.373 Euro] für Dolmetscher auf, so waren es 2009 rund 87′000 [70.474 Euro] und 2008 gut 90′000 Franken [72.904 Euro].
Die Baselbieter Gerichte geben für Dolmetscherentschädigungen pro Jahr rund 80′000 Franken aus [64.804 Euro], hinzu kommen 25′000 Franken [20.251 Euro], welche das Strafgericht Basel-Landschaft für Übersetzungstätigkeiten aufwenden muss. Die Baselbieter Gerichte verzeichnen «eine steigende Tendenz», erklärt Daniel Maritz, leitender Gerichtsschreiber am Strafgericht, Zwangsmassnahmengericht und Jugendgericht Basel-Landschaft.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Basler Zeitung, 2011-12-04. Bild: uepo-Archiv.]
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“Er ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter” - Buch über Sprachgenie Emil Krebs
30.11.2011 von Jessica Antosik.
Im Oktober 2011 ist im OASE Verlag ein Buch über das Leben und Wirken von Emil Krebs erschienen. Er beherrschte insgesamt 68 Sprachen in Wort und Schrift. Der im Jahre 1867 in Freiburg in Schlesien (heute Świebodzice) geborene Polyglott steht im Zentrum der Monographie Emil Krebs – Kurier des Geistes. Bis heute gilt Krebs, dessen aktive Zeit in die Jahre von 1893 bis 1930 fällt, als eines der größten Sprachwunder der Menschheitsgeschichte.
Im Vorwort schreibt Dr. Harald Braun, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Folgendes:
Er sammelte Sprachkenntnisse mit einer Leidenschaft, die allein dem Phänomen der menschlichen Sprache galt. Dabei ging es Krebs nicht in erster Linie darum, in allen seinen Sprachen zu kommunizieren. “Er schwieg in 45 Sprachen”, sagte eine seiner Tischdamen nach einem offiziellen Essen. Emil Krebs wollte vielmehr den Aufbau und die “Philosophie hinter der Sprache” verstehen.
In der Einführung des Buches heißt es:
Emil Krebs war ein Sprachgenie. Im Auswärtigen Amt hieß es, “er ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter”. Gemeint waren damit jene Hilfskräfte, die vor allem für “fernere” Sprachen als Übersetzer oder als Dolmetscher herangezogen werden mussten. Die Differenzierung ist notwendig, weil das Übersetzen und das Dolmetschen aus einer Sprache zwei verschiedene Angelegenheiten sind, beide gleichwertig, aber unterschiedlich in der Ausübung. […]
Die vorliegende Publikation wurde von Gunnar Hille und Antonio Reda, den Leitern von Sprachenlernzentrum und Sprachendienst des Auswärtigen Amts angeregt. Ausgangspunkt war die Materialsammlung von Eckhard Hoffmann, dem Großneffen von Emil Krebs. Auf dieser Basis schildert Hoffmann das Leben seines Vorfahren, ergänzend wurden eigene Texte von Emil Krebs eingefügt. Mit einer “neurobiologischen Annäherung” spannt Katrin Amunts, die sich intensiv mit dem Gehirn von Krebs beschäftigt hat, schließlich den Bogen über den Tod des Sprachgenies hinaus. Unabhängig vom politischen Umfeld der Tätigkeit von Emil Krebs in China, die mit der Zeittafel “Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte” und mit dem Beitrag “Ins kuenfftige neu Teutschland” von Jürgen Stich beleuchtet wird, war es nach Ansicht von Autoren und Herausgeber an der Zeit, darauf aufmerksam zu machen, dass im Auswärtigen Dienst exzellente Diplomaten und herausragende Sprachmittler tätig waren und sind. Auf den grundsätzlichen Zusammenhang von “Sprache und Diplomatie” weist Hans-Ulrich Seidt, seit September 2009 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Seoul (Südkorea), in seinem Beitrag hin. Nicht zuletzt ermöglicht die Beschäftigung mit Emil Krebs eine vertiefende Betrachtung der deutsch-chinesischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart, die in unserer rasant zusammenwachsenden Welt einen besonnenen und unaufgeregten Dialog befördern könnte.
Es folgt das Inhaltsverzeichnis:
Vorwort (Harald Braun)
Einführung (Peter Hahn)
To-lu-to-lo oder Wie Emil Türke wurde (Otto Julius Bierbaum)
Ein Kapitel deutscher Kolonialgeschichte (Peter Hahn)
Ins kuenfftige neu Teutschland (Jürgen Stich)
Von Esdorf über Berlin nach Peking (Eckhard Hoffmann)
Ein Vierteljahrhundert in China (Eckhard Hoffmann)
Wieder in Deutschland (Eckhard Hoffmann)
Über das Chinesisch Lernen (Emil Krebs)
Die Privatbibliothek von Emil Krebs (Eckhard Hoffmann)
Das Gehirn eines Sprachgenies (Katrin Amunts)
Sprache und Diplomatie (Hans-Ulrich Seidt)
Sprachendienst im Auswärtigen Amt (Antonio Reda)
Sprachkenntnisse (Gunnar Hille)
Literaturempfehlungen
Die Autoren
Dokumente
Eine 24-seitige Leseprobe finden Sie hier.
Über das Buch
Emil Krebs – Kurier des Geistes
Herausgeber: Peter Hahn
Umfang: 264 Seiten, zahlr. Abb. und historische Dokumente
Auflage: 1. (2011)
ISBN: 978-3-88922-097-4
Preis: 14,80 Euro
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Eckhard Hoffman; auswaertiges-amt.de, 03.11.2011; oaseverlag.de. Bild: oaseverlag.de.]
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Alle Jahre wieder: Weihnachtsgrüße des BDÜ in mehr als 70 Sprachen
15.11.2011 von Richard Schneider.
Per Mausklick weihnachtlich um die Welt: Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest stellt der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) wieder seine Weihnachtsdatenbank online. Auf der Website des Verbands kann die Übersetzung von „Frohe Weihnachten“ in mehr als 70 Sprachen abgerufen werden – darunter alle gängigen und auch seltenere Sprachen. So sind die Weihnachtsgrüße nicht nur auf Englisch und Französisch, sondern auch auf Indonesisch oder Thailändisch zu finden.
Das Besondere an der Weihnachtsdatenbank des BDÜ ist neben der Sprachenvielfalt die nutzerfreundliche Handhabung: Weil für viele Sprachen, zum Beispiel für Chinesisch oder Griechisch, eigene Schriftsätze nötig sind, stehen alle Übersetzungen als fertige Text- beziehungsweise Grafikdateien zum kostenlosen Herunterladen bereit.
Seit 2006 gibt es die BDÜ-Weihnachtsdatenbank, die ursprünglich mit 50 Sprachen startete und mit jedem Jahr um etliche Sprachen gewachsen ist. In diesem Jahr neu hinzugekommen sind die Übersetzungen der Weihnachtsgrüße in den Sprachen Galizisch, Madagassisch und Tamilisch: Galizisch zählt zu den romanischen Sprachen und wird im Nordwesten von Spanien gesprochen. Die madagassische Sprache ist, neben Französisch, Amtssprache auf der Insel Madagaskar. Und Tamilisch sprechen laut Wikipedia etwa 70 Millionen Angehörige des Volks der Tamilen vor allem im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und auf Sri Lanka.
Privatleute wie Unternehmen nutzen die Weihnachtsdatenbank für ihre internationale Weihnachtspost. Wer einen Brief übersetzen lassen möchte, findet auf der Website des Verbandes die Kontaktdaten von über 7.000 geprüften Übersetzern für mehr als 80 Sprachen.
[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2011-10-28. Bild: BDÜ/guukaa/Fotolia.com.]
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Projekt LiMA für die Erhaltung der sprachlichen Vielfalt in Großstädten
9.11.2011 von Jessica Antosik.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2009 rund 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Hamburg war in früheren Jahrhunderten, als die Menschen noch mit Schiffen fuhren, das „Tor zur Welt“. (Heute erfüllt der Flughafen Frankfurt diese Funktion.) Die Hansestadt spielt aber nach wie vor eine wichtige Rolle für den deutschen Außenhandel. Sie ist ein bedeutendes Zentrum füt Industrie, Handel und Logistik. Zudem sind in Hamburg viele ausländische Unternehmen ansässig. In der Stadt leben rund 487.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Sie machen etwa 28 Prozent der Einwohner aus. Die Bevölkerung vertritt mehr als 180 verschiedene Staatsangehörigkeiten. Dies hat dazu geführt, dass Hamburg mit ca. 100 Konsulaten nach New York und Hongkong der drittgrößte Konsularstandort überhaupt ist.
In Hamburg stammt ungefähr ein Drittel aller Schüler aus einer Familie mit Migrationshintergrund. 2010 hatte ungefähr die Hälfte aller Neugeborenen in Hamburg Eltern, die aus einem anderen Land nach Hamburg zugewandert sind. Schulkinder in Hamburg sprechen beinahe 200 verschiedene Sprachen. Dies war u. a. einer der Gründe für Prof. Dr. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg, das Projekt LiMA (Linguistic Diversity Management in Urban Areas) ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, bei dem Erziehungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Psychologen, Rechtswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler sowie Stadtplaner den Umgang mit vielfältigen Sprachen in Großstädten erforschen.
Ziel ist es, die sprachliche Vielfalt in Großstädten zu erhalten und die Talente von mehrsprachigen Menschen zu fördern. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die Sprachentwicklung in Familien, im Freundeskreis, in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf. Sie befragen mehrsprachige Personen und beobachten sprachliche Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Im Anschluss daran sprechen sie Empfehlungen aus, wie ideale Strukturen und Bedingungen in Großstädten aussehen müssen, damit sich alle Menschen – gleich welcher nationalen Herkunft und Sprache – wohlfühlen. Sie beantworten zudem folgende Fragen: Wie sollte eine Schule gestaltet sein, damit Kinder mit vielen Sprachen gleichgut lernen können? Wie können Menschen, die mehrsprachig leben, ihre Sprachen in das öffentliche Leben einbringen?
Weitere Informationen zu LiMA finden Sie auf der Projekt-Website der Uni Hamburg.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: destatis.de; Hamburger Abendblatt, 10.08.2010; wikipedia.de. Bild: LiMA.]
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Englisch war gestern - die Zukunft spricht Globish
2.10.2011 von Richard Schneider.
Kommunikation war früher eine Frage der Zeit und der Entfernung. Heute erfolgt sie grenzenlos und sekundenschnell. Die Welt von heute ist ein globales Dorf und die Dorfsprache ist Englisch. Ohne Englisch geht nichts mehr, weder in Wissenschaft und Wirtschaft, noch im World Wide Web. Ein Drittel der Erdbevölkerung, über zwei Milliarden Menschen, kommt regelmäßig mit der englischen Sprache in Berührung. Chinesen verhandeln mit Indern, Russen chatten mit Arabern, Deutsche telefonieren mit Koreanern.
In internationalen Konzernen, auf wissenschaftlichen Tagungen oder im weltweiten Chatroom hat Englisch den Wettbewerb der Sprachen längst gewonnen. Optimal für englische Muttersprachler, sollte man meinen. Aber ist das wirklich so? Tatsächlich findet nur vier Prozent der weltweiten Kommunikation in Englisch zwischen Muttersprachlern statt. Können sich ein Japaner und ein Italiener nicht sogar leichter auf Englisch verständigen als ein Japaner und ein Engländer?
Das jedenfalls glaubt der Franzose Jean-Paul Nerrière, ehemaliger Vizepräsident von IBM in USA, Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Nerrière ist ein Mann mit Weitblick und ein Profi in Marketing und internationaler Kommunikation. Er hat seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Verständigung in der Welt gemacht. Seine Lösung für das globale Kommunikationsproblem heißt Globish. Dieselben Wörter für jeden, weltweit. Für ihn ist Globish der Ort, an dem sich alle treffen. Zusammen mit dem Amerikaner David Hon, Englisch-Dozent und Computerspezialist, hat er dazu ein Buch geschrieben, das international zum Bestseller wurde. Auf Japanisch, Chinesisch, Ungarisch, Polnisch, Niederländisch, Russisch, Französisch, Koreanisch, Spanisch und Italienisch ist es schon zu lesen. Mitte Juni 2011 erschien es bei Langenscheidt in deutscher Sprache.
Sprachwissenschaftler, besonders englische Muttersprachler, betrachten Globish kritisch und fürchten, dass es die Hochsprache Englisch verwässere. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Rechtschreibung und Aussprache (Akzente sind ausdrücklich erlaubt!) bleiben bestehen. Globish ist kein Pidgin-English, sondern absolut korrektes Englisch. Das Motto heißt, getreu der alten Marketing Regel K.I.S.S., keep it short and simple: Stark vereinfachte Grammatik und auf das Wesentliche reduzierter Wortschatz. Im Oxford English Dictionary findet man etwa 615.000 Wörter. Englische Muttersprachler benutzen davon nur 3.500 bis maximal 7.500 Wörter. Globish kommt mit 1.500 Wörtern aus! „Globish ist eine definierte Teilmenge der englischen Sprache. Es ist kein gebrochenes Englisch. Es ist eine andere Version der englischen Sprache. Auf der Grundlage von Globish sind alle Menschen im Bezug auf ihre Sprache gleich(berechtigt). Durch den begrenzten Umfang kann jeder dieselben englischen Wörter lernen und die Menschen können sich dann gegenseitig verstehen.“ schreiben Nerrière und Hon in ihrem aufsehenerregenden Buch. Im Kapitel 16 ihres Buches stellen sie auch gleich den Globish-Grundwortschatz vor, damit jeder Leser anhand der Vokalbelliste seine Kenntnisse prüfen und erweitern kann.
Jean-Paul Nerrière und David Hon verstehen Globish als eine reine Zwecksprache, eine globale Verkehrssprache, nicht als Kultursprache wie das Englische. Kurze, klare Sätze dominieren, ohne Wortspiele, Redewendungen, Sprachbilder oder ironische Formulierungen. Trotzdem oder gerade deswegen sind auch schwierige Gespräche und Verhandlungen ohne Missverständnisse in Globish möglich. Die Autoren zeigen dies eindrucksvoll in ihrem Buch, wenn sie die Antrittsrede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in der Originalfassung und in Globish vergleichen.
Laut Ben Mcintyre, Historiker und Kolumnist der Times, ist Globish „nicht das Ende der Sprache sondern ein wichtiger Schritt auf der Evolutionsleiter und für viele Menschen der Einstieg in die Welt.“ Ohne Englisch geht nichts mehr? Doch, mit Globish!
Über die Autoren
Jean-Paul Nerrière war lange Zeit IBM Vizepräsident in den USA, Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Dadurch war er viel unterwegs und ist schon früh mit dem Problem der internationalen Verständigung in Berührung gekommen. Seine persönlichen Erfahrungen haben ihn nun dazu bewogen, eine Lösung für das weltweite Kommunikationsproblem zu suchen und ein Buch zu diesem Thema zu schreiben: Globish. Nerrière wurde mit dem Orden der Légion d’honneur ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung, die Frankreich vergibt.
David Hon begann schon im Alter von 14 Jahren für zwei Stadtzeitungen in Seattle zu schreiben, bevor er Englisch studierte. Anschließend unterrichtete er Englisch in Asien und Südafrika. Dort entstand bereits die Idee, ein Buch über Englisch als eine globale Sprache zu schreiben. Zunächst ging er allerdings in die Computerbranche und entwickelte Spiele und Simulatoren, u.a. den ersten medizinischen Simulator, mit dem er auch viele internationale Preise gewann. Die Idee von Nerrière über Globish ließ ihn allerdings nicht los, und so schrieben sie zusammen dieses Buch.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2011-02-09: Esperanto war gestern. Heute spricht man Globish
[Text: Gina Ahrend. Quelle: Pressemitteilung Langenscheidt, 2011-07. Bild: Langenscheidt.]
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Portugiesische Rechtschreibreform umstritten: Tudo corre(c)to?
28.9.2011 von Jessica Antosik.
Die portugiesische Sprache verbreitete sich weltweit im 15. und 16. Jahrhundert, als Portugal sein Kolonialreich aufbaute, das zum großen Teil bis ins Jahr 1975 überdauerte und Brasilien, Teile Afrikas und Macao (bis 1999) in China umfasste. Daraus ergab sich, dass Portugiesisch heute die Amtssprache zahlreicher unabhängiger Staaten ist und zudem von vielen als Zweitsprache gelernt und gesprochen wird.
Portugiesisch ist alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist Portugiesisch Amtssprache in Osttimor (zusammen mit Tetum) und Macao (neben Chinesisch). Auf Kap Verde und in Guinea-Bissau ist es zwar Amtssprache, jedoch nicht die wichtigste Sprache. Eine wichtige Sprache, aber keine Amtssprache, ist Portugiesisch aufgrund der Zuwanderung von portugiesischen Arbeitskräften in Andorra und Luxemburg, Namibia und Südafrika. Weltweit verwenden über 200 Millionen Menschen Portugiesisch als ihre Muttersprache. Allein 190 Millionen Brasilianer sprechen und schreiben Portugiesisch.
Das Standard-Portugiesische aus Portugal ist in den früheren afrikanischen Kolonien die bevorzugte Aussprache. Deshalb kann man zwei Formen unterscheiden, nämlich die europäische und die brasilianische; wobei man gemeinhin vier große Standard-Aussprachen unterscheidet, nämlich jene von Coimbra, Lissabon, Rio de Janeiro und São Paulo, dies sind auch die einflussreichsten Ausspracheformen.
Hinsichtlich der Schriftsprache lassen sich zwei Varianten des Portugiesischen festhalten:
- Europäisches und afrikanisches Portugiesisch
- Brasilianisches Portugiesisch
Die Unterschiede zwischen diesen Varianten betreffen, besonders in der Umgangssprache, das Vokabular, die Aussprache und die Syntax. Ferner gibt es natürlich regional bedingt, zum Teil landesspezifische Ausdrücke (ônibus in Brasilien und autocarro in Portugal). Signifikantere Unterschiede bestehen in der Orthografie. In Wörtern, die cc, cç oder ct enthalten, wird in Brasilien das erste c weggelassen, bei Wörtern mit pc, pç oder pt entfällt das p. Diese Buchstaben werden nicht ausgesprochen, sondern stellen vielmehr Überbleibsel aus dem Latein dar, die man in Brasilien zumeist eliminiert hat. Des Weiteren gibt es einige Unterschiede in der Akzentuierung.
Die Rechtschreibreform aus dem Jahr 1990, die auf die Schaffung eines einheitlichen Rechtschreibstandards abzielt, umfasst insbesondere das oben erwähnte Weglassen der “stummen” Konsonanten c und p auch im europäischen Portugiesisch sowie die Vereinheitlichung der Diakritik und Koordinierung der Übernahme von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. Was den Umfang der Änderungen anbelangt, sollen 1,6 % des Wortschatzes im europäischen Portugiesisch und 0,5 % im brasilianischen Portugiesisch geändert werden. Ausgerüstet mit einer einheitlichen Schreibweise könnte das Portugiesische seine Rolle als bedeutende Weltsprache weiter ausbauen.
Nach einer Ratifizierung im Jahre 1994 sollte das Abkommen über die Rechtschreibreform in Kraft treten. Bislang wurde es aber lediglich von Brasilien, Portugal und Kap Verde unterzeichnet. Sie tritt allerdings erst dann in Kraft, wenn alle Mitglieder der CPLP (Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder) unterschrieben haben.
Der “Acordo Ortográfico” ist in Brasilien bereits am 1. Januar 2009 in Kraft getreten; seine Übernahme ist auch in Portugal und den übrigen lusophonen Ländern im Gange. Im neuen Schuljahr 2011/2012 werden alle Schüler nach der neuen Rechtschreibreform unterrichtet. Nicht nur neu eingeschulte Kinder sondern das gesamte Schulsystem wird sich hiernach richten. Ab dem 1. Januar 2012 tritt die Rechtschreibreform offiziell im ganzen Lande in Kraft. Die endgültige Einführung soll bis 2014 stattgefunden haben. Dies bedeutet, dass bis zu dieser Frist sämtliche Handbücher, Software etc. vorschriftsgemäß angepasst werden müssen.
Vorteile erwarten Befürworter dieser Harmonisierung der Orthographie für die Entwicklung des Büchermarktes, insbesondere im Bereich der Schulbücher und Informatik. Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass es nicht mehr notwendig sein wird, international relevante Dokumente und Verträge in zwei Versionen zu verfassen. Kaum Probleme mit dem Brasilianischen haben die meisten Durchschnittsportugiesen, denen der Dialekt aus unzähligen, auch auf portugiesischen Fernsehschirmen laufenden brasilianischen “Telenovelas” vertraut ist. Auch mit dem Fußball, dem Samba und nicht zuletzt einer wachsenden Zahl von Auswanderern kommt die in Brasilien gesprochene Variante nach Europa. “Wir sind zwar die Väter der portugiesischen Sprache, aber nicht ihre Gebieter”, gab beispielsweise der christdemokratische Abgeordnete Nuno Melo angesichts der Reform zu.
Die Dichter und Denker des Landes stehen den Veränderungen jedoch skeptischer gegenüber. Sie befürchten eine „Brasilianisierung“ der Sprache. Nobelpreisträger José Saramago sagte 2008, er habe in seinem Alter keine Lust mehr, seine Rechtschreibung zu ändern: “Ich schreibe weiter wie bisher”, wird er in portugiesischen Zeitungen zitiert, “mit der Reform dürfen sich dann meine Korrekturleser beschäftigen”. Kritiker wenden ein, dass sich Saramagos Bücher trotz unterschiedlicher Schreibweisen gut in Brasilien verkauften. Das Bestehen der britischen und US-amerikanischen Schreibweise im angelsächsischen Raum sorge auch nicht für große Probleme. Darüber hinaus weisen Vertreter der Verlagsbranche auf die Kosten der Umstellung auf die neue Orthographie hin und halten es für wahrscheinlich, dass viele schon gedruckte Bücher bald nur noch Altpapierwert haben werden.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: nzz.ch, 29.04.2008; sprachforschung.org, 20.05.2008; galiott.com, 16.09.2011; wikipedia.de. Bild: vege / Fotolia.de.]
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Saarbrücken: Mehrsprachige Karten in der Gastronomie sind die Ausnahme
25.8.2011 von Jessica Antosik.
Wer kennt es nicht: Man ist im Urlaub, geht ins Restaurant, um etwas Leckeres zu essen, versteht aber nicht, was in der Speisekarte geschrieben steht. Dann muss man im Wörterbuch blättern oder auf einen versierten Kellner hoffen. Nur Wenige sind entweder weit gereist, kulinarisch bewandert oder mehrsprachig, um die Gerichte sofort zu verstehen.
Wie sieht die Situation in Saarbrücken aus? Im Jahr 2010 gab es im Regionalverband Saarbrücken 529.592 Übernachtungen von 269.971 Gästen. Nach Angaben Statistischen Landesamts entfallen 76.649 dieser Übernachtungen auf ausländische Besucher. Dazu kommen 1,7 Millionen Tagestouristen, wovon viele Franzosen und Luxemburger sind. Wenn die Besucher Hunger bekommen, müssen sie aus den auf Deutsch verfassten Speisekarten schlau werden. Zwar sind manche Restaurants mit mehrsprachigen Karten gewappnet. Doch der Standard ist dies nicht, denn in den meisten Restaurants sind die Karten auf Deutsch. An Einsicht vonseiten der Gastronomie fehlt es allerdings nicht.
Die 30-jährige Lena Schäfer, Chefin des Gasthauses “Gemmel”, hat viele fremdsprachige Gäste. “Manche sind schon ein wenig verärgert, wenn wir ihnen unsere deutsche Karte vorlegen.” Da die Karte aber alle acht Wochen wechsle, sei eine professionelle Übersetzung zu kostspielig. Schäfer spart sich das Geld und sagt: “Außerdem sprechen wir Englisch und ein wenig Französisch. Den Rest bügeln wir mit Charme aus.” Trotz allem sei eine mehrsprachige Speisekarte geplant. “Es wäre toll, wenn wir unseren Gästen auch über die Karte das Gefühl geben, willkommen zu sein.”
Der Sternekoch Jens Jakob (38) verfügt in seinem Restaurant “Le Noir” ebenfalls lediglich über die deutsche Karte. Der Grund dafür liege in der alle vier bis sechs Wochen wechselnden Speisekarte und somit teuren Übersetzung sowie am Zeitmangel.
Eva Bender (27), Kellnerin im Bistro “Tante Maja”, erklärt, dass sie einen Tisch, an dem Franzosen sitzen, häufig nicht bedient. “Ich schicke einen meiner Kollegen, der Französisch spricht. Mir ist es unangenehm, wenn ich vor den Gästen stehe und kein Wort verstehe.” Mehrsprachige Speisekarten würden ihr die Arbeit wesentlich erleichtern, gibt sie zu. Catalina da Palma (37), Geschäftsführerin von “Tante Maja” und gebürtige Rumänin, will in den nächsten Wochen “endlich eine mehrsprachige Karte einführen. Wir haben immer mehr ausländische Gäste, die uns nicht verstehen.” Probleme gebe es dennoch nicht – die meisten Kellner würden für die Gäste dolmetschen. Eine mehrsprachige Speisekarte wäre jedoch einfacher, da es äußerst zeitraubend sei, erst einmal die Namen der Gerichte übersetzen zu müssen.
Im Restaurant “Bruch’s No. 1″ und in der Kneipe “Klim-Bim” wird den Gästen eine dreisprachige Karte gereicht. “Eingeführt wurde sie 2006 zur WM. Da war abzusehen, dass mehr ausländische Gäste kommen. Seitdem haben wir die Gerichte auch in Französisch und Englisch auf der Karte”, sagt Thomas Caldwell (49), der beide Restaurants seit dem Jahr 2003 leitet. “Es kommt gut an. Wenn Franzosen ihre Sprache sehen, fühlen sie sich willkommen und bleiben dann sitzen.” Rund 20 Prozent der Gäste stammen aus Frankreich, aber auch Japaner und Menschen aus vielen anderen Nationen besuchen das Lokal. “Die können dann meist Englisch”, berichtet Caldwell.
In dem Gasthaus “Zum Stiefel” gehören Karten in deutscher, englischer und französischer Sprache längst zur Tagesordnung. “Wir sind ein historisches Haus mit vielen ausländischen Gästen. Besonders Franzosen, aber auch viele von der Uni kommen mit ihren ausländischen Kollegen hier essen. Sie sollen sich wohlfühlen. Die Karte ist das erste Zeichen für Gastfreundschaft”, sagt die 55-jährige Britta Bruch.
Die Meinung teilt auch Alexa Weiß von der Tourismusförderung im Regionalverband Saarbrücken. Sie spricht folgende Empfehlung aus: “Vielleicht muss nicht gleich die ganze Karte übersetzt sein, aber eine Seite, ein paar Gerichte. Als ein Zeichen, wie eine ausgestreckte Hand. Es ist einen Versuch wert und eine einladende Geste für unsere Touristen.”
Das “Gästehaus Erfort”, das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist, bietet die Karte auf Deutsch und Französisch. Eine englische Karte sei bereits lange geplant, erklärt Drei-Sterne-Koch Klaus Erfort (38). “Dass wir die nicht haben, liegt einfach am Zeitmangel.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: saarbruecker-zeitung.de, 24.08.2011. Bild: Wikipedia.]
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Deutschkenntnisse verschaffen Tschechen einen Karrierevorteil
24.8.2011 von Jessica Antosik.
In der bayerisch-böhmischen Grenzregion spielen Kenntnisse in der Sprache des jeweiligen Nachbarlandes für viele Arbeitnehmer eine wichtige Rolle. 95 Prozent von über 200 in der Tschechische Republik ansässigen Unternehmen mit deutscher Beteiligung in einer aktuellen Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) sagen: “Deutschkenntnisse sind wichtig für unsere Mitarbeiter.” 75 Prozent der Firmen sehen Deutschkenntnisse für tschechische Arbeitnehmer als “sehr wichtige” Qualifikation an. Somit werden Deutschkenntnisse wichtiger eingestuft als Englischkenntnisse – nur etwa die Hälfte der Befragten hält Englischkenntnisse als unabdingbar.
“Deutsch ist wichtig für den Beruf.” Dieser Ansicht sind 77 Prozent der Tschechen in einer repräsentativen Umfrage des Goethe-Instituts in Prag sowie des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Momentan lernen rund ein Drittel der tschechischen Schüler Deutsch als zweite Fremdsprache. Die Zahl könnte allerdings viel höher sein, denn nach der Umfrage des Goethe-Instituts wird Deutsch an vielen tschechischen Schulen nicht oder erst ab der siebten Klasse gelehrt. Nun zielt das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und der DTIHK mit der Initiative “Deutsch für die Karriere” auf eine Annäherung von Betrieben und Schulen für Kooperationen in der Sprachförderung ab. “Wir wollen Schülern zeigen, dass in der Nähe ihrer Heimatorte Unternehmen sind, bei denen sie mit guten Deutschkenntnissen leichter Karriere machen können”, erklärt Dr. Heike Uhlig, stellvertretende Leiterin des Goethe-Instituts in Prag. Bereits 15 Unternehmen und 28 Berufsschulen und Gymnasien nehmen an dem Projekt “Deutsch für die Karriere” teil. Ab September 2011, das bedeutet also mit Beginn des neuen Schuljahres, werden zahlreiche Besuche von Schulen und Firmen mit dem Ziel von Kooperationen in der Sprachförderung stattfinden.
Auch in Bayern ist die tschechische Sprache für Deutsche ein echtes Karriere-Plus. In der Oberpfalz, einem Regierungsbezirk bzw. Bezirk im Nordosten Bayerns, haben die Schüler an über 50 Schulen die Möglichkeit, Tschechisch als freiwilliges Wahlfach zu belegen. Viele Initiativen in diesem Raum sollen dabei helfen, die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten zu fördern und zu verbessern. Bereits seit drei Jahren werden beispielsweise bei dem Unternehmen BHS Corrugated, dem Weltmarktführer für Wellpappanlagen, Auszubildende aus der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik gemeinsam ausgebildet und unterricht. “Ein Teil des Ausbildungsprogramms wird in Tschechien, ein Teil in Bayern absolviert”, sagt Stefanie Luber, eine der Verantwortlichen des BHS Ausbildungsverbunds. Mittlerweile haben acht deutsche und acht tschechische Azubis in Zusammenarbeit mit der Europa-Berufsschule in Weiden die Prüfung als Maschinen- und Anlagenführer erfolgreich abgelegt. Ferner haben sie Kenntnisse der Sprache des Nachbarlandes erworben. Dies bietet ihnen gute berufliche Perspektiven.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: wochenblatt.de, 14.08.2011. Bild: Wikipedia.]
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Nationale Autonome Universität Mexikos dokumentiert und archiviert indigene Sprachen
21.8.2011 von Jessica Antosik.
Das Linguistische Labor des Instituts für Anthropologische Forschung (Instituto de Investigaciones Antropológicas, IIA) der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (Universidad Nacional Autónoma de México, UNAM) engagiert sich für den Erhalt indigener Sprachen ein und sichert diese digital.
Bei dem Sprachlabor handelt es sich um das erste Labor an der UNAM zur Archivierung indigener Sprachen. Ziel ist es einen multimodalen Corpus, d.h. Audio- und Video-Archive, zu schaffen. Das Labor soll ein universitärer Aufbewahrungsort linguistischer Archive werden und die Transkription und morphologische Analyse jedes Dokuments möglich machen.
Samuel Herrera, der Verantwortliche des IAA berichtet, dass es Dialekte gäbe, die lediglich von zwei oder drei Sprechern angewendet werden. Aus diesem Grund müsse man diese vor dem Aussterben bedrohten Sprachen bzw. Dialekte wie Paipai (Baja California) und Tarahumara (Chihuahua) dokumentieren oder archivieren, um sie anschließend linguistisch, anthropologisch und historisch zu erforschen. Des Weiteren gehören zu den gefährdeten Sprachen unter anderem Huave (Oaxaca), Chuj (Chiapas), Huasteca (Veracruz y San Luis Potosí), Chichimeca (Guanajuato) und Náhuatl. Die Mehrheit der Sprachen sei im kulturellen Erbe vorhanden.
Auch Mythen, Bräuche und Heilkünste werden gesammelt. Außerdem hat man den Datenbestand “Dialektaler Gebiete des modernen Náhuatl” von Yolanda Lastra zusammengetragen. Zapotekische Aufnahmen aus Yalálag (Oaxaca) und das Archiv der “Indigenen Sprachen Mexikos” ergänzen den Bestand.
Das Labor hat eine Vereinbarung mit der Nationalen Schule für Anthropologie und Geschichte, um Sicherheitskopien der Archive anzufertigen. Eine einzige Aufnahme kann für vielerlei Forschungsvorhaben nützlich sein: etwa für akustische, phonologische, morphologische, syntaktische und pragmatische Analysen. “Bezogen auf Materielles und Physikalisches haben wir ungefähr 800 Archive im Original. Alles ist praktisch schon digitalisiert und man könnte in Gigabytes messen”, so Samuel Herrera.
Das Sammeln der Daten beinhaltet Feldarbeit zwischen 15 Tagen und mehreren Monaten. In dieser Zeit sucht man Sprecher, um hochwertige Audio- und Video-Aufnahmen mit den sachgerechtesten Parametern zu machen. So werden persönliche wie auch Volks-Geschichten und Orts-, Pflanzen- und Tiernamen in den Originalsprachen gesammelt. Im Anschluss daran werden die Informationen technisch aufbereitet. Das Audio-Archiv transkribiert man mithilfe eines phonetischen Alphabets, um die Töne abzubilden. Wenn es allerdings um die Sprache mit ihren orthographischen Zeichen geht, dann verwendet man dieses System. Ferner arbeitet man an der Normierung der Schreibsysteme und plant mit den Gemeinden ein Standardwerk geschriebener Sprache auszuarbeiten.
Das Linguistische Labor des Instituts für Anthropologische Forschung tauscht sich mit anderen Einrichtungen aus, beteiligt sich an weiteren Vorhaben und steht mit dem Nationalen Institut für Indigene Sprachen in Kontakt. Des Weiteren ist es mit dem Projekt “Räumliche Sprachen und Wahrnehmung in Mesoamerika” (”Spatial Languages and Cognition in Mesoamerica”) verbunden, das unter der Leitung von Jürgen Bohnemeyer von der Universität Buffalo steht.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: npla.de, 21.08.2011. Bild: Wikipedia.]
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Die Muttersprache prägt das Denken
27.7.2011 von Jessica Antosik.
Wissenschaftler gehen nach vielen Jahren Forschung davon aus, dass die Eigenarten der Sprache, das bedeutet die Grammatik und der Wortschatz, unser Denken beeinflussen. In einem Versuch haben sie festgestellt, dass sich die Muttersprache auf die Erinnerungen der Probanden auswirkt und die Sprache somit Einfluss darauf hat, wie wir denken, etwas wahrnehmen und wie wir uns an etwas erinnern. Englische und deutsche Muttersprachler tendieren der Studie zufolge eher dazu, Geschehnisse mit einem handelnden Akteur zu beschreiben. Japanische und spanische Sprecher hingegen setzen einen anderen Schwerpunkt. So konnten sich die japanischen und spanischen Muttersprachler schlechter als beispielsweise die amerikanischen Teilnehmer an die Person erinnern, die einen Unfall verursacht hatte.
Ein weiterer Grund für die fehlenden Informationen vonseiten der Japaner und Spanier kann in kulturellen Unterschieden liegen. So ist es in diesen Kulturkreisen vielleicht üblich, nur bei 100%-iger Sicherheit Schuldzuweisungen auszusprechen.
Die Zuni, ein Indianerstamm aus Nordamerika, unterscheiden nicht zwischen Gelb und Orange. Sie gebrauchen für diese Farben nur ein Wort. In einem Versuch konnten sich die Zuni schlechter als US-Amerikaner daran erinnern, ob das zuvor gesehene Objekt gelb oder orange war.
Das Wahrnehmen, Denken und Urteilen von Menschen unterliegt subtilen Voreinstellungen, die linguistisch bedingt sind. Damit wird Noam Chomskys These verworfen, nach der alle Menschen – unabhängig von ihrer Muttersprache – durch die gleiche universelle Denkstruktur vereint seien.
Nun stellt sich die Frage, wie bilingual aufgewachsene Personen denken. Im Jahr 2010 untersuchte die Ben-Gurion University in Israel arabischstämmige Israelis. Es wurde getestet, ob sie implizite Vorurteile gegenüber jüdischen oder arabischen Namen hatten. Dies hing jedoch davon ab, in welcher Sprache die Tests durchgeführt wurden. Das Ergebnis war Folgendes: Auf Hebräisch waren negative Einstellungen gegenüber jüdischen Namen selten, wohingegen arabische Namen im Arabischen besser abschnitten.
Wer eine Fremdsprache erlernt, könnte sich laut einer Studie der Polytechnischen Universität Hongkong durch andere Persönlichkeitseigenschaften kennzeichnen. Bei einer Befragung sagten chinesische Muttersprachler, sie seien extrovertierter und durchsetzungsfähiger, wenn sie Englisch sprachen. Dies ist auf die kulturellen Normen zurückzuführen, die beim Lernen einer Sprache erworben und angewandt werden. “Wenn wir eine neue Sprache lernen, machen wir uns also tatsächlich auch eine neue Denkweise zu eigen.”, erklärt Lera Boroditsky von der Stanford University.
Viele Sprachen, wie auch das Deutsche, weisen unbelebten Objekten ein Geschlecht zu, auch wenn dies unsinnig ist. Denn warum sollte ein Fußball männlich und eine Regenrinne weiblich sein? Dies hat geschlechtsspezifische Assoziationen zur Folge. Je nachdem, ob ein Wort männlich oder weiblich ist, verbinden die jeweiligen Muttersprachler mit diesem eher Stärke oder Grazilität. Dies ist zum Beispiel bei dem Wort “Brücke” der Fall. Im Deutschen hat das Wort einen weiblichen Artikel: die Brücke. Im Spanischen dagegen sind Brücken maskulin: el puente. Deutsche assoziieren mit der Brücke Adjektive wie schlank, elegant, zierlich, friedlich und hübsch. Spanier jedoch beschreiben Brücken als stark, gefährlich und groß. Werden Franzosen gebeten, sich vorzustellen, eine Gabel habe eine Stimme und könne sprechen, dann beschreiben sie die Stimme als hoch. Das französische Wort für Gabel lautet la fourchette (weiblich). Die Spanier hingegen weisen der Gabel, el tenedor (männlich), eine tiefe Stimme zu.
Durch den grammatischen Artikel werden mit einem bestimmten Objekt tief verwurzelte Konzepte von Männlichkeit oder Weiblichkeit verbunden. Deutsche Maler stellen beispielsweise den Tod als Mann dar, für einen russischen Maler ist er jedoch oftmals eine Frau. “Wenn Amerikaner das grammatische Geschlecht eines Objekts in einer Fremdsprache erlernen, beeinflusst das anschließend ihre mentale Repräsentation dieses Gegenstands auf die gleiche Weise wie bei den Muttersprachlern”, so Boroditsky.
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass die Sprachen die Welt auf unterschiedlichste Art und Weise beschreiben. Wie Ludwig Wittgenstein erklärte: “Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.” Dennoch ist unser Gehirn flexibel und wir sind in der Lage, Begriffe und die Bedeutungsnuancen anderer Sprachen zu lernen, unseren Horizont zu erweitern und damit neue Sichtweisen kennen zu lernen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Gehirn&Geist, Nr.7-8/2011, S. 14–19. Bild: Wikipedia.]
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