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Archiv der Kategorie Einwanderer

Projekt LiMA für die Erhaltung der sprachlichen Vielfalt in Großstädten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2009 rund 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Hamburg war in früheren Jahrhunderten, als die Menschen noch mit Schiffen fuhren, das „Tor zur Welt“. (Heute erfüllt der Flughafen Frankfurt diese Funktion.) Die Hansestadt spielt aber nach wie vor eine wichtige Rolle für den deutschen Außenhandel. Sie ist ein bedeutendes Zentrum füt Industrie, Handel und Logistik. Zudem sind in Hamburg viele ausländische Unternehmen ansässig. In der Stadt leben rund 487.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Sie machen etwa 28 Prozent der Einwohner aus. Die Bevölkerung vertritt mehr als 180 verschiedene Staatsangehörigkeiten. Dies hat dazu geführt, dass Hamburg mit ca. 100 Konsulaten nach New York und Hongkong der drittgrößte Konsularstandort überhaupt ist.

In Hamburg stammt ungefähr ein Drittel aller Schüler aus einer Familie mit Migrationshintergrund. 2010 hatte ungefähr die Hälfte aller Neugeborenen in Hamburg Eltern, die aus einem anderen Land nach Hamburg zugewandert sind. Schulkinder in Hamburg sprechen beinahe 200 verschiedene Sprachen. Dies war u. a. einer der Gründe für Prof. Dr. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg, das Projekt LiMA (Linguistic Diversity Management in Urban Areas) ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, bei dem Erziehungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Psychologen, Rechtswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler sowie Stadtplaner den Umgang mit vielfältigen Sprachen in Großstädten erforschen.

Ziel ist es, die sprachliche Vielfalt in Großstädten zu erhalten und die Talente von mehrsprachigen Menschen zu fördern. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die Sprachentwicklung in Familien, im Freundeskreis, in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf. Sie befragen mehrsprachige Personen und beobachten sprachliche Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Im Anschluss daran sprechen sie Empfehlungen aus, wie ideale Strukturen und Bedingungen in Großstädten aussehen müssen, damit sich alle Menschen – gleich welcher nationalen Herkunft und Sprache – wohlfühlen. Sie beantworten zudem folgende Fragen: Wie sollte eine Schule gestaltet sein, damit Kinder mit vielen Sprachen gleichgut lernen können? Wie können Menschen, die mehrsprachig leben, ihre Sprachen in das öffentliche Leben einbringen?

Weitere Informationen zu LiMA finden Sie auf der Projekt-Website der Uni Hamburg.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: destatis.de; Hamburger Abendblatt, 10.08.2010; wikipedia.de. Bild: LiMA.]

Integrationslotsen übersetzen und beraten Eltern

Sprachliche Hürden einerseits und kulturelle Unterschiede andererseits stellen für ausländische Eltern, deren Kinder eine deutsche Schule besuchen, oftmals ein großes Problem dar. “[Die] kulturelle Barriere führt dazu, dass die Möglichkeiten nicht wahrgenommen werden, die es hier gibt”, bedauert Massimo De Carlo.

Aus diesem Anlass hat die Hebelschule in Lörrach, an der der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund rund 30 Prozent beträgt, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Kommission der Stadt Lörrach und dem Sozialen Arbeitskreis ein neues Projekt ins Leben gerufen: Integrationslotsen sollen die Eltern in verschiedenen Sprachen kostenlos unterstützen, sie auf Elternabenden begleiten und sie über den Schulalltag, Fördermöglichkeiten, Hausaufgaben oder Zeugnisse informieren. “Die Eltern haben die Möglichkeit, auf diese Personen zuzugehen und um Hilfe zu bitten”, sagt Sonja Eiche. Bisher werden die Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch und Russisch angeboten. “Wir möchten statt der Unterschiede die Gemeinsamkeiten hervorheben und wollen, dass Migranten sich wohlfühlen an der Schule und spüren, dass sie dazugehören”, erklärt Vedat Acikel.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: badische-zeitung.de, 12.07.2011. Bild: wikipedia.de.]

Aus die Maus: Theoretische Führerscheinprüfung nur noch ohne Dolmetscher

Ausländer können die theoretische Führerscheinprüfung im Bundesland Berlin nicht mehr unter Hinzuziehung eines Dolmetschers ablegen. Dies legte das Verwaltungsgericht Berlin fest (Vg Berlin, Az. 11 L 142.11). Die Theorie-Prüfung muss künftig in deutscher oder einer der anderen elf akzeptierten Sprachen (Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch und Türkisch) abgelegt werden.

Eine aus Sri Lanka stammende Antragstellerin wollte sich der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung in Deutschland in tamilischer Sprache, ihrer Muttersprache, unterziehen. Das Verwaltungsgericht führte allerdings an, dass Tamilisch nicht im Katalog zur Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) vorgesehen sei. Zwar konnten fremdsprachige Anwärter bis zum 31.12.2010 die Fragen zur theoretischen Fahrerlaubnisprüfung auf eigene Kosten auch unter Hinzuziehung eines Dolmetschers oder mit Hilfe anderer Medien beantworten.

Diese Regelung ist aber mit dem 01.01.2011 aufgehoben worden. In einer dem Auto- und Reiseclub Deutschlands (ARCD) vorliegenden Antwort auf eine schriftliche Parlamentarieranfrage erklärte die Bundesregierung, dass die theoretische Führerscheinprüfung einem “erheblich höheren Betrugsrisiko unterliegt und zunehmend Manipulationen auftraten”. In der Praxis gestaltete es sich schwer, nachzuvollziehen, ob die Lösungsantworten vom Dolmetscher oder vom Prüfling stammten.

Nach wie vor bleiben Gebärdensprachdolmetscher für Gehörlose zugelassen. Für Bewerber, die nicht ausreichend lesen oder schreiben können, besteht die Möglichkeit einer Audio-Unterstützung in deutscher Sprache über Kopfhörer.

Thüringen hatte bereits im Jahr 2005 den Einsatz von Dolmetschern bei der theoretischen Führerscheinprüfung verboten. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es immer wieder Fälle korrupter Dolmetscher gegeben, die Prüflingen gegen Geld die korrekten Antworten verraten haben. Da diese Vorkommnisse dem Ansehen des Berufsstands in der Öffentlichkeit schaden, werden sie von den Berufsverbänden totgeschwiegen - nicht aber von uepo.de.

Mehr dazu im Übersetzerportal
Thüringen: Bestechlicher Dolmetscher soll Führerscheinprüflingen geholfen haben
Nach Betrugsaffäre greift Thüringen durch: Ab sofort keine Dolmetscher mehr bei Führerscheinprüfungen

[Text: Jessica Antosik. Quellen: juris.de, 12.05.2011; motor-traffic.de, 01.06.2011; autokiste.de, 01.06.2011. Bild: wikipedia.de.]

Sicherheitshinweise einsprachig, Verbotsschilder mehrsprachig: Ausländerdiskriminierung?

In einigen Bahnen im Ruhrgebiet sind wichtige Sicherheitshinweise lediglich in deutscher Sprache verfasst, ein spezieller Hinweis für potenzielle Schwarzfahrer ist dagegen in acht Sprachen (Niederländisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch und Russisch) übersetzt worden. Diese werden davor gewarnt, dass für das Fahren ohne Fahrschein ein “erhöhtes Beförderungsentgelt von 40 Euro” erhoben wird. Unterstrichen wird die Information mit den Worten: “Bitte ersparen Sie uns und Ihnen den damit verbundenen Ärger.”

Nun lässt sich darüber streiten, ob die mehrsprachigen Hinweisschilder in den Bahnen ein Zeichen für Weltoffenheit sind. Doch dann stellt sich die Frage, warum die Sicherheitshinweise, die eventuell Leben retten könnten (beispielsweise Informationen zum “Verhalten bei Betriebsstörung im Tunnel”), nur auf Deutsch vorliegen. Nach Monika Düker, Landesvorsitzende und flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen in NRW, handelt es sich hier um eine “eindeutige Diskriminierung bestimmter Gruppen”. “Man stigmatisiert Ausländer zu Schwarzfahrern, indem man ihnen nur diese Information sprachlich zuweist.”

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, äußerte sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Natürlich kann man nicht sämtliche Schilder im öffentlichen Raum in allen Sprachen wiedergeben. Doch man sollte abwägen, welche Schilder – zum Beispiel, um Gefahren zu vermeiden – man in welche Sprachen übersetzt.”

Nach Angaben von Thomas Nordiek, dem Sprecher der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG), überarbeite man momentan mit der Essener Verkehrs-AG (EVAG) die Hinweisschilder in Bussen und Bahnen. Geplant sei auch die Übersetzung wichtiger Hinweisschilder in mehrere Sprachen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 30.05.2011.]

Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 – Sprachbarrieren bleiben

Am Tag der Arbeit öffnet sich nun nach sieben Jahren der deutsche Arbeitsmarkt auch für Bürger aus acht osteuropäischen Ländern. Die Arbeitskräfte aus denjenigen Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind (ausgenommen Malta und Zypern), dürfen ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland kommen. Deutschland braucht qualifizierte Zuwanderer. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Arbeitnehmerfreizügigkeit als “ganz große Chance”. “Ich bin überzeugt, dass die Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten unserer wirtschaftlichen Entwicklung helfen werden.”, so von der Leyen. Doch nun stellt sich die Frage, ob auch wirklich diejenigen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn kommen werden, die hier gebraucht werden. Ist die Sorge vor Lohndumping berechtigt? Wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit den Mangel an Hochqualifizierten lediglich lindern oder lösen? Deutschland hat darauf keinen Einfluss, da die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU für jede Arbeitskraft gilt. Die Bundesarbeitsministerin erwartet keinen großen Ansturm: “Wir rechnen mit rund 100.000 Personen. Die meisten, die kommen werden, sind jung und gut qualifiziert.” Wer die Absicht habe, schwarz arbeiten zu wollen, sei bereits in Deutschland.

Die Schranken am Arbeitsmarkt gehen hoch, die Sprachbarrieren indes bleiben bestehen. Štefan Duhán, Vize-Chef der tschechischen Arbeitsmarktverwaltung, äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Die Arbeitsmarktöffnung hat mehr psychologische als praktische Wirkung und wird von der tschechischen Bevölkerung sehr positiv aufgenommen.” Duhán erklärt, dass die größten Hindernisse in fehlenden Sprachkenntnissen liegen. Außerdem habe sich das Lohnniveau z.B. in Ungarn und Slowenien stark dem österreichischen angenähert. Der slowakische AMS-Chef Ivan Juráš rechnet jedoch mit starken Auswirkungen auf die Grenzgebiete. “Die Bereitschaft von Bratislava nach Wien zu pendeln ist traditionell sehr groß.” Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise sagt: “In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden sich deutsche Arbeitnehmer auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen.” Zudem ist Weise folgender Ansicht: “Deutschland ist weniger attraktiv, als viele glauben. Junge, gut ausbildete Osteuropäer gehen oft lieber nach England, wo sie auch geringere Sprachprobleme haben.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: kurier.at, 27.04.2011; faz.net, 30.04.2011; de.news.yahoo.com, 23.04.2011. Bild: wikipedia.de.]

Caritas schult Pflegelotsen für alte Menschen ohne Deutschkenntnisse

CaritasDie Caritas hat im Rahmen des Projektes „Pflege-Info-Center für Migranten und ihre Angehörigen“ ehrenamtliche Helfer mit Migrationshintergrund zu Pflegelotsen ausgebildet. Sie sollen alten Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse bei Fragen rund um die häusliche Pflege beratend zur Seite stehen. Im Internetportal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung heißt es:

Der Kurs bestand aus einem Dutzend Modulen, die auf 36 Unterrichtsstunden verteilt waren. Neben der Theorie standen Besuche beispielsweise der Ausstellung der Gesellschaft für Gerontotechnik oder eines Fachvortrages zum Thema „Demenz“ auf dem Programm. 17 Frauen und Männer haben die Qualifizierung am Ende erfolgreich abgeschlossen. Ihre Herkunftssprachen sind Türkisch, Englisch, Polnisch, Serbisch, Kroatisch und Persisch. Außerdem kann Unterstützung auf Italienisch und Französisch gewährt werden.

Francesco Ferrara ist Koordinator des Caritas-Integrationsdienstes. Der gebürtige Italiener weiß, dass die meisten ehemaligen Gastarbeiter im Alter in ihre Heimat zurückkehren. Andererseits gibt es aber auch Einwanderer, die ihre Eltern oder Großeltern nach Deutschland holen. Auf jeden Fall haben die ersten Gastarbeitergenerationen inzwischen die Altersheime erreicht.

Projektleiterin Mona Baschlau erwartet eine starke Zunahme von Pflege- und Betreuungsbedürftigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Deshalb will sie das Schulungsangebot der Caritas fortzuführen und ausweiten.

Deutscher Caritasverband e. V.
Der Deutsche Caritasverband ist der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands und organisiert die soziale Arbeit der katholischen Kirche. Nach dem Leitspruch “Not sehen und handeln” arbeiten fast 500.000 hauptamtliche Mitarbeiter und noch einmal ebenso viele Ehrenamtliche. Damit ist die Caritas der größte Arbeitgeber Deutschlands, aber kein Wohltätigkeitskonzern. Denn die Mitarbeiter verteilen sich auf weit über 20.000 Beratungsstellen, Sozialstationen, Heime und weitere soziale Einrichtungen. Sie sind rechtlich selbstständig und gestalten ihre Angebote, wie sie vor Ort benötigt werden.

www.caritas.de

[Text: Richard Schneider. Quelle: DerWesten, 2011-03-18. Bild: Caritas.]

Berlin will Zeichen setzen: “Türkisch. Oper kann das!”

FledermausAls erstes Opernhaus im deutschsprachigen Raum spricht die Komische Oper Berlin ab der Spielzeit 2011/12 mit einem auf Nachhaltigkeit angelegten Projekt gezielt Berliner mit türkischem Migrationshintergrund als Publikum für das Musiktheater an. Unter dem Motto »Türkisch. Oper kann das!« startet mit Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds ein umfangreiches Vermittlungsangebot mit Workshops, Veranstaltungen und einem zielgruppenorientierten Marketing.

Der Clou: Ab September 2011 lassen sich in der bundesweit einzigartigen Übersetzungsanlage der Komischen Oper Berlin sämtliche Vorstellungen des Repertoires – nach Deutsch und Englisch – auf Wunsch auch in Türkisch mitverfolgen. Darüber hinaus erweitert die Komische Oper Berlin ihr Angebot für Berlin-Touristen aus dem Ausland und wird auf den individuellen Displays in den Stuhllehnen auch eine Übersetzung ins Französische anbieten.

»Während die Übersetzungen ins Französische und Englische die Bedeutung Berlins für den internationalen Kulturtourismus unterstreichen und dem stetig steigenden Anteil ausländischer Besucher Rechnung tragen, ist die Übersetzung der Libretti ins Türkische in erster Linie ein wichtiges Signal in die Stadt hinein«, so der Intendant der Komischen Oper Berlin, Andreas Homoki. Schließlich lebten mehr als 300.000 Deutsch-Türken in Berlin, das damit weltweit die Stadt mit der größten »türkischen Gemeinde« außerhalb der Türkei sei. »Ihrer offenkundigen Bedeutung für das städtische Gemeinwesen zum Trotz und von wenigen Einzelinitiativen abgesehen, werden die Deutsch-Türken von den großen kulturellen Institutionen der Stadt bislang aber noch nicht spezifisch angesprochen«, so Homoki weiter. Hier wolle die Komische Oper Berlin in ihrem traditionellen Selbstverständnis als »Opernhaus für alle« ansetzen. »Es geht uns einerseits um eine offensive Einladung, das zeitgemäße Musiktheater unabhängig von sprachlichen oder kulturellen Barrieren zu entdecken. Andererseits verstehen wir die Komische Oper Berlin als lernende Institution, die sich gemeinsam mit ihrem Publikum ständig weiterentwickeln und neuen Herausforderungen stellen muss und will.«

Land des LächelnsDaher sei das zentrale Element des Projekts »Türkisch. Oper kann das!« der Dialog. »Wir wollen Hemmschwellen senken, weil wir den Austausch suchen«, so Homoki, unter dessen Intendanz sich die Komische Oper Berlin seit 2004/05 bereits erfolgreich mit einem umfangreichen Angebot an Kinderopern, Konzerten für Kindern und inzwischen rund 300 Opernworkshops pro Jahr für eine junge Zielgruppe geöffnet hat: Rund 40.000 Kinder und Jugendliche besuchen inzwischen Jahr für Jahr Vorstellungen und Veranstaltungen der Komischen Oper Berlin. Und es waren auch die Angebote der Reihe Komische Oper ´Jung, innerhalb derer sich der Bedarf für das Projekt »Türkisch. Oper kann das!« herauskristallisiert hat: »Wir begeistern jedes Jahr viele deutsch-türkische Kinder und Jugendliche«, so Homoki. »und da haben wir uns natürlich gefragt: Wie binden wir diese langfristig als Opernpublikum - und wie erreichen wir darüber hinaus auch ihre Familien?«

Um sich mit den Deutsch-Türken zu vernetzen und die Vermittlungsangebote zu konzipieren, sucht die Komische Oper Berlin eine deutsch-türkische Mitarbeiterin bzw. einen Mitarbeiter. Derzeit laufen Gespräche mit weiteren potenziellen Partnern und Sponsoren, um die langfristige Finanzierung des Projektes über die Förderung des Hauptstadtkulturfonds hinaus abzusichern.

Schließlich betont auch der designierte Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, den nachhaltigen Charakter der Initiative: »Wir werden darauf aufbauen und das Projekt Zug um Zug erweitern«, so Kosky. Unter anderem ist die Uraufführung einer deutsch-türkischen Oper in der ersten Spielzeit 2012/13 seiner Intendanz geplant.

Mehr zum Thema auf uepo.de
2009-09-08: Komische Oper Berlin installiert Übersetzungsanlage für 900.000 Euro

[Text: André Kraft. Quelle: Pressemitteilung Komische Oper Berlin, 2011-03-21. Bild: Komische Oper Berlin, Fledermaus (oben), Land des Lächelns (unten).]

Schöffen müssen Deutsch beherrschen

Eine Gerichtsverhandlung mit Schöffen, die nicht des Deutschen mächtig sind, ist nichtig. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, nachdem eine russischsprachige Schöffin vor dem Landgericht Köln eine Dolmetscherin hinzugezogen hatte. In dem Prozess ging es um einen Überfall auf einen Supermarkt in Köln-Sürth. Im April 2009 bedrohten die Angeklagten dabei die Kassiererinnen mit einem Gasrevolver und erbeuteten rund 1.400 Euro.

Das Landgericht Köln hatte den Prozess unter Mitwirkung einer deutsch-russischen Schöffin durchgeführt, die in der Verhandlung und Beratung eine Dolmetscherin benötigte. Weil die Strafkammer des Landgerichts somit nicht “vorschriftsmäßig besetzt” war, hob der BGH das Urteil vom November 2009 gegen die Angeklagten auf.

Doch der Fall in Köln wurde im Jahr 2009 verhandelt, als die Sprachkenntnisse von Schöffen noch nicht geregelt waren und noch nicht festgelegt war, dass Schöffen, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, “nicht zu Schöffen berufen werden sollen”. Die Verteidiger hatten schon damals die Mitwirkung der Schöffin wegen ihrer Deutschdefizite beanstande, allerdings wurde ihr Antrag vom Landgericht Köln abgewiesen. Nun war die Revision aber war erfolgreich und der Fall muss erneut aufgerollt werden. Die Rechtsprechung macht damit aus der Soll-Vorschrift des Gesetzes von 2010 eine Muss-Vorschrift (AZ: 2 StR 338/10).

In einer Pressemitteilung des BGH heißt es:

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das Urteil auf die Revisionen der Angeklagten aufgehoben, da die Strafkammer mit einer der deutschen Sprache kaum mächtigen Schöffin nicht vorschriftsmäßig besetzt gewesen war (§ 338 Nr. 1 StPO). Die Heranziehung einer nicht sprachkundigen Schöffin verstößt gegen den Grundsatz, dass die Gerichtssprache deutsch ist (§ 184 S.1 GVG) und verletzt zudem den im Strafprozess geltenden Grundsatz der Unmittelbarkeit (§ 261 StPO). Eine sprachunkundige Schöffin ist – ebenso wie ein tauber oder blinder Richter – jedenfalls partiell unfähig, der Verhandlung selbst zu folgen. Das GVG hat die insoweit bisher bestehende Regelungslücke durch Einfügung des seit dem 30. Juli 2010 geltenden § 33 Nr. 5 GVG geschlossen. Danach sollen Personen ohne hinreichende Sprachkenntnis nicht zu Schöffen berufen werden und sind von der Schöffenliste zu streichen. Die Teilnahme einer für die Schöffin herangezogenen Dolmetscherin für die russische Sprache an allen Beratungen der Strafkammer begründet überdies einen Verstoß gegen das Beratungsgeheimnis des § 193 GVG.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.bundesgerichtshof.de, 26.01.2011; www.fr-online.de, 26.01.2011. Bild: www.wikipedia.de.]

Berlin will verpflichtende Sprachtests für Vierjährige einführen

Jürgen ZöllnerDer Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will verpflichtende Sprachtests für Vorschulkinder einführen, die keine Kita besuchen. Kinder, die den Test nicht bestehen, sollen dann einen halben Tag in die Kita gehen. Dort werden sie gezielt sprachgefördert. Den Eltern drohe gemäß dem Schulgesetz ein Bußgeld von etwa 2.000 Euro, wenn das Kind nicht daran teilnimmt. Dadurch wächst der Druck auf Eltern, die Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen haben. Allerdings wirkt sich die Sprachförderung positiv auf das Kind aus und stellt eine gute Voraussetzung für die Chancengleichheit und Integration der Kinder dar.

Eine generelle Kita-Pflicht sei, so Zöllner, rechtlich nur schwer durchsetzbar. Andererseits handelt es sich hierbei um eine Kita-Pflicht, wenn die Vierjährigen mit schlechten Deutschkenntnissen die Kita besuchen müssen.

Im Jahr 2010 nahmen an dem Test nur etwa 600 von 2.000 geladenen Kindern teil. Bei der Hälfte der Kinder wurden Sprachdefizite festgestellt.
Zöllner kündigte an, dass er Eltern, deren Kinder im Ausland leben, das Kindergeld entziehen werde.

[Text: Jessica Antosik. Quelle. www.focus.de, 19.11.2010. Bild: Pressestelle Berliner Senat.]

Fürther Geschäfte nutzen Sprachpotenzial ihrer Mitarbeiter zur Kundenbetreuung

In Fürth bieten einige Geschäfte eine Beratung in mehreren Sprachen an. Der Elektronik-Fachmarkt Saturn beispielsweise hat Deutsch, Englisch, Spanisch, Polnisch, Tschechisch, Russisch, Slowakisch, Albanisch, Serbisch und Türkisch im Angebot. Die Namensschilder der Mitarbeiter geben meist schon Hinweise auf die Herkunft des Mitarbeiters. Doch die Flaggen auf dem Schildchen sind eindeutig und jeder Kunde sieht sofort, in welchen Sprachen der Mitarbeiter beraten bzw. an welchen Mitarbeiter er sich in seiner Muttersprache wenden kann. Somit wird der Migrationshintergrund der Mitarbeiter nicht verborgen, sondern offen mit ihm geworben und als Lockmittel eingesetzt. Vor allem ältere Menschen profitieren davon, die sich in ihrer Muttersprache beraten lassen können.

Laut Vertriebsleiter Shpejtim Berishaj gehört die Filiale in Fürth zu den Versuchsmärkten, in denen diese Beratung ausgetestet wird. “Das kommt gut an”, sagt er, “übrigens auch bei amerikanischen Soldaten, die in der Region stationiert sind.”

Auch in der Fürther Friedrich-Apotheke an der Freiheit hat der Kunde zehn Sprachen zur Auswahl. “Wir haben einige Ärzte in der Nähe, die selbst noch eine andere Sprache sprechen und uns Kunden bescheren.” Insbesondere die Sprachen Türkisch, Rumänisch, Polnisch und Russisch seien sehr gefragt. Englisch spiele dagegen nur zur Spielwarenmesse eine Rolle, so die Inhaberin Rosemarie Gora.

Und der Trend der mehrsprachigen Beratung setzt sich fort. Selbst Pflegeheime suchen mittlerweile gezielt nach Pflegern mit Migrationshintergrund. Bei Demenzkranken zum Beispiel kann es zu einem Verlust der spät erworbenen Deutschkenntnisse kommen, sodass sich der Einsatz von Altenpflegern mit Kenntnissen in anderen Sprachen empfiehlt.

Doch nicht nur die Sprache ist wichtig. Es kommt auch auf die Mentalität an. Und die muss man verstehen. “Bei Türken ist das Bauchgefühl beim Autokauf noch wichtiger als bei Deutschen”, so Sinasi Calisman, Ansprechpartner für den Gebrauchtfahrzeug-Verkauf bei der Mercedes-Niederlassung in Fürth.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Nordbayern online, 2010-11-05.]