Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Deutsche Sprache.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Jan | ||||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | ||||
- Ausbildung (63)
- Bibel/Koran (11)
- Bücher (61)
- Büroorganisation (13)
- Deutsche Sprache (80)
- Dolmetschen (86)
- Einwanderer (19)
- EU (37)
- Fremdsprachen (41)
- Gebärdensprachdolmetscher (5)
- Gebärdensprache (8)
- Gerichtsdolmetscher (79)
- Geschichte (28)
- Honorare/Gehälter (13)
- Interview (3)
- Literaturübersetzer (99)
- Lokalisierung (11)
- Markt (26)
- Maschinelle Übersetzung (10)
- medizinisch-soziales Dolmetschen (7)
- Missstände (44)
- Nachrichten (60)
- Nachrufe (8)
- Politik (54)
- Porträt (46)
- Qualitätssicherung (9)
- Simultandolmetscher (28)
- Sprache allgemein (45)
- Terminologie (24)
- Übersetzen (28)
- Übersetzungsfehler (28)
- Unternehmen (120)
- Veranstaltungen (148)
- Verbände (119)
- Videos (7)
- Werkzeuge (126)
- Wissenschaft (23)
- Wörterbücher (50)
- Zeitschriften (63)
- 31.1.2012: TC3 - Neues sprachwissenschaftliches Magazin der Uni Mainz
- 30.1.2012: Terminologie: Die Sprache der anderen
- 29.1.2012: Videodokumentation: Daakaka - eine Sprache stirbt aus
- 28.1.2012: Hundenamen im Wandel der Zeiten: Benny und Sammy statt Bello und Hasso
- 27.1.2012: "Urkunden übersetzen" in Hamburg - Bereits großes Interesse an den 1. JurANT
- 26.1.2012: Podiumsdiskussion der Wirtschaftskammer Wien: Sprachdienstleister und ihre Auftraggeber
- 25.1.2012: Neu: "Fachliste Medizin 2012" mit 300 Dolmetschern und Übersetzern
- 24.1.2012: TMS, TBX, SRX, GMX, XLIFF: Standards und Übersetzungen
- 23.1.2012: AGCO setzt bei der Erschließung neuer Märkte auf Lösungen von SDL
- 22.1.2012: Across ist Mitglied des Deutschen Terminologie-Tag e.V.
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
Archiv der Kategorie Deutsche Sprache
Hundenamen im Wandel der Zeiten: Benny und Sammy statt Bello und Hasso
28.1.2012 von Richard Schneider.
Nicht nur bei der Benennung seiner Kinder, sondern auch bei der Auswahl von Namen für sein liebstes Haustier, den Hund, neigt der Deutsche zu pseudokosmopolitischem Imponiergehabe. So lassen sich die Ergebnisse einer Magisterarbeit interpretieren, die Eva Schaab an der Universität Mainz im Fach Onomastik (Namenskunde) vorgelegt hat. Die Studentin hat Listen mit Hundenamen aus den Jahren 1907 und 1916 ausgewertet und zusätzlich 1.000 heutige Hundebesitzer nach den Namen ihrer Lieblinge gefragt.
Demnach heißen die Vierbeiner schon lange nicht mehr Bello, Waldi, Fifi, Hasso, Nero oder Rex. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die beliebtesten Namen für Rüden Ben/Benny und Sam/Sammy. Ebenfalls häufig sind Blacky oder Max (Englisch ausgesprochen). Hundedamen werden gerne Gina genannt, Scarletta oder Celine. Oft müssen Markennamen ausländischer Alkoholika wie Brandy, Asti oder Calvados als Namenspaten herhalten, gelegentlich auch Städte der anglo-amerikanischen Leitkultur wie Boston oder Sydney.
Einen ausführlichen Artikel zu den Forschungsergebnissen können Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: FAZ, 2012-01-12. Bild: Fotolia, Eric Isselée.]
Geschrieben in Wissenschaft, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Unwort des Jahres 2011: Döner-Morde
18.1.2012 von Nina Neumann.
Der Begriff “Döner-Morde” wurde zum Unwort des Jahres gewählt. Begründung: Mit Döner-Morde wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet. Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt. Damit hat Döner-Mord(e) über Jahre hinweg die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen in verhängnisvoller Weise beeinflusst. Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts- terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.
Weitere Unwörter für das Jahr 2011:
Gutmensch
Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.
Marktkonforme Demokratie
Begründung: Die Wortverbindung marktkonforme Demokratie steht für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist. Sie geht zurück auf ein Statement Angela Merkels, wonach Wege zu finden seien, „wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist.“ Auch wenn die Wortverbindung gegenwärtig meist kritisch verwendet wird, steht sie doch für eine bedenkliche Entwicklung der politischen Kultur.
Unwort-Statistik:
Für das Jahr 2011 wurden 923 verschiedene Wörter eingeschickt. Die Jury erhielt mit insgesamt 2420
Einsendungen die meisten Einsendungen seit Bestehen der Unwort-Aktion. Die häufigsten Einsendungen waren Döner-Morde (269mal), Stresstest (186mal), Rettungsschirm (136mal) und Tagesrandzeit (105mal).
Die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), Dr. Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Journalisten Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau). Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a. D., beteiligt
weitere Informationen unter: www.unwortdesjahres.net
[Text: Prof. Dr. Nina Janich. Quelle: Pressemitteilung Technische Universität Darmstadt, 17.1.2012. Bild: Logo Unwort des Jahres.]
Geschrieben in Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Das Jugendwort des Jahres 2011: “Swag”
18.12.2011 von Richard Schneider.
„Swag“ ist das Jugendwort des Jahres 2011. Die jugendlichen Jurymitglieder und ihre journalistischen Kollegen beeindruckte die schnelle und riesige Verbreitung des aus dem US-Amerikanischen stammenden Wortes. „Swag“ landete auf Platz 1 knapp vor „Fail/Epic Fail“ für grober Fehler bzw. Versagen. Den dritten Platz belegt „guttenbergen“ für Abschreiben, „Körperklaus“ – eine Wortneuschöpfung für Tollpatsch und Grobmotoriker – sicherte sich Platz 4 und „googeln“ für suchen, allerdings nicht nur im Internet, sondern auch beispielsweise in einem Lexikon, schließt die Top Five ab. Rund 40.000 Interessierte wählten im Internet auf www.jugendwort.de sowie auf der Jugendmesse „YOU“ in Berlin aus den 30 zur Wahl stehenden Begriffen die Top 15 für die Jurysitzung für das Jugendwort des Jahres 2011. Insgesamt wurden circa 3.000 neue Begriffe eingereicht. Bereits zum vierten Mal rief der Langenscheidt Verlag in Kooperation mit der Jugendzeitschrift SPIESSER und erstmals mit der Jugendmesse YOU zur Wahl des Jugendwortes des Jahres auf.
Die Top Five der Jugendwörter 2011 im Überblick:
- Swag
- Fail/Epic Fail
- guttenbergen
- Körperklaus
- googeln
Die Meinung der Jury war in diesem Jahr erstmals deckungsgleich mit der der Internet-Voter. Bei der Internetabstimmung legte „Swag“ quasi einen Start-Ziel-Sieg hin. „Swag“ kommt ursprünglich aus dem Song „Turn my swag on“ des amerikanischen Rappers Soulja Boy. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erlangte der Begriff große Bekanntheit durch die Coverversion des österreichischen Rappers Money Boy „Dreh den Swag auf“. Der Begriff steht für eine „beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ sowie eine „charismatisch-positive Aura“.
Ende letzten Jahres diskutierte die Musikszene darüber, ob Money Boy der schlechteste Rapper der Welt sei oder die neue Hoffnung des deutschsprachigen Hip Hops. Zumindest hat er mit seinem Cover „Dreh den Swag auf“ rund 14 Mio. Klicks bei YouTube erreicht und das Wort „Swag“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz in aller Munde gebracht. Nun hat es der Begriff sogar zum Jugendwort des Jahres 2011 geschafft, womit einmal mehr deutlich sein dürfte, wie schnell sich ein Begriff über das Internet verbreitet und in die alltägliche Sprache Einzug findet. Wörtlich übersetzt bedeutet „to swagger“ „stolzieren“ und „swaggerer“ heißt „Aufschneider, Großtuer“.
Besonders interessant war für die diesjährige Jury, dass die beiden Favoriten zum ersten Mal aus dem englischsprachigen Raum stammen. So zeige sich die starke Vernetzung der virtuellen und reellen Kommunikationsebenen.
Im Gegensatz zu „Swag“ fehlte der Jury beim Begriff „Fail/Epic Fail“ das letzte Quäntchen Originalität. „Fail/Epic Fail“ wird zwar in der Jugendsprache häufig gebraucht, ist aber der Computerspielsprache entlehnt und dadurch vielen Erwachsenen bekannt. „Guttenbergen“ konnte aus ähnlichen Gründen nicht zum Gewinner gekürt werden. Zwar empfand die Jury die Aktualität des Begriffs als durchaus gegeben und die Verbalisierung eines Namens sowie den gesellschaftlichen Bezug als sehr originell. Doch der Einwand der jugendlichen Jurymitglieder, das Wort sei doch schon sehr im Sprachgebrauch Erwachsener/Lehrer verankert, ließ den Begriff auf Platz 3 landen.
Platz 4 „Körperklaus“ ist ein Wort aus einem älteren Musiktitel der Gruppe „Seeed“ und erlangte neuen Ruhm durch eine Teilnehmerin der Casting-Show „Germany’s next Topmodel“. Die Häufigkeit der Einreichung des Wortes war groß, konnte allerdings nicht mit der Verbreitung der Besserplatzierten mithalten. Auch „googlen“ als jugendlicher Ausdruck für das Verb „suchen“ konnte zwar in den Top Five landen, da es seinen einstigen modernen Radius Internet verlassen hat und ebenso für das Nachschlagen in einem Lexikon Anwendung findet. Allerdings musste sich dieser Begriff in der Kategorie Originalität geschlagen geben.
Initiative Jugendwort
Die Initiative „Jugendwort des Jahres“ wurde im Jahr 2008 vom Langenscheidt Verlag ins Leben gerufen. Ziel und Idee des Wettbewerbs ist es, die Kreativität der schnelllebigen Jugendsprache zu präsentieren und jährlich neu zu dokumentieren. Dabei bietet Langenscheidt mit der Seite www.jugendwort.de die Plattform und Öffentlichkeit, auf der sich Jugendliche einbringen und austauschen können, greift jedoch nicht korrigierend, sondern nur organisierend ein.
Das Jugendwort des Jahres wird nicht vorrangig nach der Häufigkeit seiner Verwendung ausgesucht. Eine Wertung ist damit nicht verbunden. 2008 machte der Begriff „Gammelfleischparty“ als Übersetzung der Ü-30-Party das Rennen. 2009 gewann der Begriff „hartzen“ für „arbeitslos sein“ oder „rumhängen“. Im letzten Jahr bekam das Wort „Niveaulimbo“ für „das ständige Absinken des Niveaus“ den begehrten Platz 1.
In diesem Jahr wurden rund 3000 Wörter eingereicht. Anhand der Kriterien Häufigkeit, Verbreitung, Aktualität und Kreativität wurde eine Liste der Top 30 im Internet unter www.jugendwort.de zur Abstimmung bereit gestellt. Rund 40.000 Interessierte wählten mit ihrer Stimme die Top 15 für das Jugendwort des Jahres 2011. Die finale Top-15-Liste wurde der Jury vorgelegt. Um verschiedenste Blickwinkel des Sprachgebrauchs und der Sprachbeobachtung einfließen zu lassen, setzt sich die heterogene, jährlich wechselnde Jury aus verschiedenen Altersstufen zusammen. Neben dieser Heterogenität wird bei der Wahl der Jurymitglieder vor allem Wert auf deren Kompetenz im Bereich Sprache gelegt.
Jury und Kooperationspartner
Kooperationspartner der Initiative sind die Jugendzeitschrift SPIESSER und die Jugendmesse „YOU“. Die Jury für das Jugendwort des Jahres 2011 bestand aus: Sarah (16), Gewinnerin der Jurymitglied-Aktion der Jugendzeitschrift SPIESSER; Sarah (16) und Corinna (16), Gewinnerinnen der Jurymitglied-Aktion der Jugendmesse YOU; Manja Branß, Mitarbeiterin der Jugendzeitschrift SPIESSER; Matthias Heine, Redakteur bei DIE WELT; Uwe Wittstock, Redakteur bei FOCUS; Eva Betz-Weiß, Redakteurin beim Langenscheidt Verlag.
Das Jugendwort des Jahres 2011 und die Top-5-Begriffe finden sich im aktuellen Buch Hä?? Jugendsprache unplugged 2012. Für die nächste Ausgabe 2013 können auf bis 28. Februar 2012 unter der folgenden Adresse wieder neue Jugendbegriffe eingereicht werden:
[Text: Langenscheidt. Quelle: Pressemitteilung Langenscheidt, 2011-12-05. Bild: Langenscheidt.]
Geschrieben in Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
GfdS wählt “Stresstest” zum Wort des Jahres 2011
16.12.2011 von Richard Schneider.
Am 16. Dezember 2011 hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Wörter des Jahres bekannt gegeben. Bereits seit 1971 und somit im 40. Jahr kürt die GfdS Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.
Aus einer Sammlung von etwa 3.000 Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammensetzt, zehn Wörter, die die öffentliche Diskussion dominiert und dieses Jahr wesentlich geprägt haben.
Für die Auswahl der Wörter des Jahres entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz und Popularität: Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen sprachlichen Jahresrückblick dar. Als ein solcher Beitrag zur Zeitgeschichte sind die ausgewählten Wörter jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden. Hier die Rangfolge:
- Wort des Jahres 2011 ist Stresstest. Dieses Wort, ursprünglich aus der Humanmedizin stammend, begegnete im Laufe des Jahres auffällig oft. Es erwies sich dabei aus sprachlicher Sicht als äußerst produktiv und war in den verschiedensten Bereichen anzutreffen: Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen. Diese Praxis und somit das Wort erlangten dadurch politische, wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Relevanz. So ist Stresstest mittlerweile als fester Bestandteil der Alltagssprache anzusehen.
- Platz 2 belegt das Verb hebeln. In der derzeitigen europäischen Schuldenkrise erweiterte dieser Fachbegriff aus der Finanzbranche die Bedeutung des in der Allgemeinsprache bereits bekannten Worts und spiegelt das Bemühen um die finanzielle Rettung der Eurostaaten: Durch Erweiterung des Rettungsschirms um externes Kapital soll die Summe zur Rettung eines Landes vervielfältigt werden. Tatsächlich wird durch das Hebeln weniger Kraft, sprich Kapital, benötigt als beim Akt des Stemmens.
- Das ganze Jahr über aktuell und sprachlich interessant ist die Arabellion auf Platz 3 als Oberbegriff für die zahlreichen Revolutionen und politischen Umwälzungen in den arabischen und nordafrikanischen Ländern.
- Merkozy – prägnante Kurzbezeichnung für Angela Merkel und Nicolas Sarkozy – wählte die Jury auf Platz 4. Die Wortkreuzung kennzeichnet die exponierte Stellung und die weitgehende Einigkeit von Deutschland und Frankreich bei Entscheidungen zum Umgang mit der europäischen Finanzkrise.
- Zu einem bedeutungsschweren Begriff wurde im Jahr 2011 Fukushima auf Position 5. Der Name des betroffenen Ortes wurde gleichsam zu einer Chiffre für das Atomunglück in Japan und drückt dessen gesamte Spannweite sowie die Folgen für die deutsche Energie- und Atompolitik aus.
- Auf den 6. Rang wurde Burnout gewählt. Zwar ist das Wort und insbesondere die Krankheit schon seit längerem verbreitet, doch ist Burnout zunehmend als Ausdruck der Probleme unserer heutigen schnelllebigen Zeit zu verstehen und verbreitet sich als Begriff derzeit geradezu inflationär.
- Seit sich herausstellte, dass es sich bei der Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg in weiten Teilen um ein Plagiat handelt, ist das Verb guttenbergen, in der Liste auf Platz 7, als Synonym für abschreiben, abkupfern, plagiieren bekannt und längst nicht mehr nur auf das Vorgehen dieses Politikers zu beziehen.
- Im Frühjahr sorgte der Darmkeim Ehec für Aufregung und Ducheinander bei der Suche nach seinem Hauptüberträger. Schließlich wurde er gefunden und die Bevölkerung fortan vor den schuldigen Killersprossen, auf Platz 8, gewarnt.
- Als Philipp Rösler zum Vorsitzenden der FDP gewählt wurde, versprach er: »Ab jetzt wird geliefert!« In dieser Aussage wird ein neues Verständnis von Politik offenbar, zeitnah konkrete Lösungen zu Problemstellungen vorzulegen, und liefert uns den 9. Platz.
- Abschließend wählte die Jury »Wir sind die 99 %« auf Position 10. Hiermit wird das Motto der weltweit auftretenden Occupy-Bewegung thematisiert, das auf die äußerst ungleiche Verteilung von Macht und Geld in der Weltbevölkerung aufmerksam machen soll.
[Text: GfdS. Quelle: Pressemitteilung GfdS, 2011-12-16. Bild: GfdS.]
Geschrieben in Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Prosit! VDS kürt Krombacher zum Sprachvorbild 2011
5.12.2011 von Jessica Antosik.

Am 10. November 2011 wurde der Krombacher Brauerei durch den Verein Deutsche Sprache die Auszeichnung „Sprachvorbild 2011“ verliehen. Uwe Riehs Geschäftsführer der Krombacher Brauerei (auf dem Bild unten links), nahm die Urkunde mit Freude entgegen. Überreicht wurde sie ihm durch Jürgen Franke, Leiter der Regionalgruppe 57 des VDS (auf dem Bild rechts).
Für Krombacher ist die Ernennung zum „Sprachvorbild 2011“ eine erfreuliche Anerkennung der hochwertig-innovativen und dennoch traditionellen Markenphilosophie des Unternehmens. Geschäftsführer Uwe Riehs erklärt: „Unsere Brauerei ist Teil einer sich ständig wandelnden Gesellschaft. Trotzdem bemühen wir uns auch in Zeiten der Globalisierung stets um einen ansprechenden Markenauftritt. Da ist die deutsche Sprache für die Krombacher Brauerei mindestens genauso wichtig wie das deutsche Reinheitsgebot.“
Ausgewählt wurde die Brauerei als „Sprachvorbild 2011“, da sie, so die Begründung, auf „Großraumplakaten, im Fernsehen und im Internet weitgehend auf überflüssige Anglizismen verzichtet und damit ihre potentiellen Kunden in einem verständlichen Deutsch anspricht“.
Eine kurze Prüfung der Website-Texte durch uepo.de fördert jedoch Widersprüchliches zu Tage. So finden sich in der Bezeichnung von Menüpunkten durchaus vollkommen überflüssige Anglizismen wie „Multimedia Downloads“, „Krombacher Sound“ oder „Der Krombacher Screensaver“. Und Bindestriche werden bei Krombacher offenbar mit dem Salzstreuer über den Text verteilt. Das „Klimaschutz-Projekt“ hat einen abbekommen, das „Regenwald Projekt“ hingegen nicht. Auch der „Formel 1 Tipp“ ging leer aus.
Die Brauerei könnte die Erfolgsbilanz ihrer Umweltschutzprojekte leicht steigern, wenn sie für jeden fehlenden Bindestrich (und jedes fehlende Leerzeichen vor einem Prozentzeichen in ihren Geschäftsberichten) ebenfalls einen Quadratmeter Regenwald schützen würde. Krombacher löste vor Jahren ein großes Medienecho aus, als versprochen wurde, für jeden verkauften Kasten Bier einen Quadratmeter afrikanischen Regenwalds zu schützen. Werbefigur war damals Günter Jauch. Von Spöttern erhielt die Aktion schnell den Titel „Saufen für den Regenwald“.
Über den VDS
Der Verein Deutsche Sprache e. V. wurde 1997 von Professor Dr. Walter Krämer gegründet. Mit seinen rund 34.000 Mitglieder verfolgt er das Ziel, die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern. Kritisiert wird die Verdrängung der deutschen Sprache und die fortschreitende Anglisierung in immer mehr Bereichen des Alltags. Im Kreis Siegen-Wittgenstein, Olpe und in Teilen des Kreises Altenkirchen zeichnet die Regionalgruppe 57 des Vereins jährlich Unternehmen, Institutionen oder Personen für deren Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache aus.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Pressemitteilung Krombacher, 10.11.2011; business-on.de, 14.11.2011. Bild: Presseservice Krombacher.]
Geschrieben in Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Jugendsprache: Aufruf zur Gelassenheit von Nils Bahlo
18.11.2011 von Jessica Antosik.
“Ich hör’ es gerne, wenn die Jugend plappert: Das Neue klingt. Das Alte klappert.” Dieses Zitat von Goethe beschreibt ein seit jeher existierendes Phänomen – das der Jugendsprache. Alle Sprachen, auch die Jugendsprachen, sind lebendig und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Im Allgemeinen ist das in der Öffentlichkeit geprägte Bild von Jugendsprache eher negativ belastet. Mit der Jugendsprache, die Jugendliche unter Gleichaltrigen benutzen, grenzen sie sich von den Erwachsenen ab, schaffen auf diese Weise ein Zusammengehörigkeitsgefühl und bilden ihre Identität. Heutzutage wird die Jugendsprache vor allem durch die Medien, die Globalisierung und den Immigrationsstrom beeinflusst.
Einige sprechen von einem “Sprachverfall”, andere von einem “Sprachwandel”. Der Sprachwissenschaftler Nils Bahlo (Bild rechts) ruft zu mehr Gelassenheit auf. Er war 2009/10 an der Freien Universität Berlin wissenschaftlicher Mitarbeiter am Projekt “Jugendsprache im Längsschnitt”, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus Steuergeldern finanziert wurde. In einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost berichtet er über die Jugendsprache. Auf die Frage “Was ist vor allem typisch für die Jugendsprache heute?” antwortete er:
Es gibt gar nicht die eine Jugendsprache. Schon in Berlin sprechen die Jugendlichen nicht überall gleich. Das hängt von vielen Faktoren ab. Es handelt sich eher um verschiedene jugendsprachliche Stile. Diese Stile unterscheiden sich hinsichtlich der Zeit, der Situation, des soziokulturellen Hintergrunds und der Region. Typisch für die Jugendsprache insgesamt sind emotionale Marker. Das hängt mit der Entwicklung der Jugendlichen während der Pubertät zusammen. Emotionalität und Expressivität spielen in dieser Phase eine wichtige Rolle. Auch der Gebrauch von Platzhaltern wie “dings” oder “hier” ist auffällig, um den Gesprächsfluss nicht abbrechen zu lassen. Generell auffällig ist in Großstädten wie Berlin der starke Einfluss aus dem türkisch-arabischen Raum: Zum einen zeigt sich das in bestimmten Ausdrücken wie “Cüs” oder “Yallah”, zum anderen im Weglassen des Artikels, denn im Türkischen gibt es keine Artikel. Mit sprachlichen Versatzstücken aus unterschiedlichen medialen Kontexten basteln sich Jugendliche ihre eigene Sprache zusammen.
Hinsichtlich des Einflusses der englischen Sprache sagt Nils Bahlo, dass Englisch als Weltsprache tagtäglich Einfluss auf unseren Sprachgebrauch habe. Dennoch sei die Anzahl an Anglizismen in der Jugendsprache nicht signifikant erhöht.
Die nächste Frage der Berliner Morgenpost lautet: “Jedes Jahr werden von manchen Verlagen Sprachführer für Jugendsprache herausgebracht und das Jugendwort des Jahres gekürt. In den vergangenen Jahren wurden Begriffe wie Gammelfleischparty (Ü-30-Party), hartzen (rumhängen) und Niveaulimbo (ständiges Absinken des Niveaus) gekürt. Sind diese Begriffe wirklich authentisch?” Diese Frage beantwortete Bahlo wie folgt:
Nicht zwangsläufig. Diese Wörterbücher basieren auf den Ideen kreativer Medieninstitute bzw. dem Eintrag auf Webseiten. Dabei muss der kreative Kopf nicht unbedingt jugendlich sein. Stellt man Jugendlichen solche Wortlisten vor, stellt sich schnell heraus, dass vieles erfunden ist. Das liegt natürlich auch daran, dass der Kontext bzw. die situative Einbettung fehlt. Jugendsprache ist nur dann authentisch, wenn sie zwischen Jugendlichen ausgetauscht wird. Hinzu kommt, dass es ja nicht die eine Jugendsprache gibt, sondern viele Spielarten. Was für den einen Jugendlichen gängiges Vokabular ist, ist für den anderen unverständlich und unauthentisch. Ich glaube aber auch nicht, dass es das Ziel der Verlage ist, das Geheimnis der Jugendsprache zu lüften. Sie wollen eher durch die Kreativität amüsieren – und das gelingt ihnen ja recht gut.
Auf die Frage, ob die Jugendsprache eine Modeerscheinung sei, gab Bahlo folgende Antwort:
Sicher, jede Sprachveränderung unterliegt der Mode. Das war schon immer so und lässt sich gar nicht unterbinden, auch wenn viele Kritiker durch neue Einflüsse einen Sprachverfall befürchten. Aber wo soll man da ansetzen, was ist der Maßstab, an dem man sich orientieren soll? Ist es das Deutsch zu Goethes Zeiten? Viele Ausdrücke aus der Jugendsprache gelangen nach einiger Zeit in die allgemeine Umgangssprache. Vor 50 Jahren gehörte das Wort “toll” zum Beispiel zur Jugendsprache, heute sagt es jeder. Und “ey” war 1990 noch absolut jugendsprachlich, steht aber inzwischen sogar in der Dudengrammatik. Ebenso ist das Wort “geil” heute schon umgangstauglich. Vor 30 Jahren hatte es noch eine eindeutig sexuelle Konnotation, heute wird es von dem ursprünglichen Kontext losgelöst im Sinne von “toll” oder “lustig” gebraucht und gehört eher zum Sprachgebrauch der 30- bis 40-Jährigen, als der Jugendlichen. Auch das Wort “cool” spielt bei den Jugendlichen heute kaum noch eine Rolle.
Eine weitere Frage der Berliner Morgenpost lautete wie folgt: “Besteht nicht trotzdem die Gefahr des Sprachverfalls, wenn Jugendliche keine Artikel mehr verwenden?”
Man sollte die sprachlichen Veränderungen nicht überschätzen. Der Wortschatz der Jugendlichen ist nah am Standardwortschatz dran, die Abweichungen, Varianten und neuen Vokabeln machen nicht einmal zehn Prozent aus. Aber in der Tat entsteht dann ein Problem, wenn Jugendliche nicht mehr in der Lage sind umzuschalten, wenn sie ihre Sprache nicht mehr an die jeweilige Situation anpassen können.
Den kompletten Artikel können Sie auf der Website der Berliner Morgenpost lesen, die Projekt-Website finden Sie unter www.jugendsprache-berlin.de.
Mehr zum Thema auf uepo.de
2011-10-11: Das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 ist da - unzensiert
2010-10-30: Die Jugend von heute disst, chillt, dancet und checkt ab
2008-12-20: Das Jugendwort des Jahres 2008: Gammelfleischparty
[Text: Jessica Antosik. Quelle: morgenpost.de, 23.10.2011. Bild: fu-berlin.de.]
Geschrieben in Wissenschaft, Sprache allgemein, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Über den dreißigjährigen Rechtschreibkrieg
16.11.2011 von Jessica Antosik.
Im Jahre 1996 beschlossen die Kultusminister Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Wien die Einführung der Rechtschreibreform an allen Schulen und Behörden für 1998. In der Abschlusserklärung des ersten Wiener Gesprächs von 1986 wurden die Ziele einer Rechtschreibreform wie folgt umrissen: “Grundsätzliches Einvernehmen wurde darüber erzielt, die auf der Orthographischen Konferenz von 1901 in Berlin erreichte einheitliche Regelung der deutschen Rechtschreibung den heutigen Erfordernissen anzupassen. Insbesondere geht es darum, die in vielen Teilbereichen der Rechtschreibung im Laufe der Zeit kompliziert gewordenen Regeln zu vereinfachen.”
Sowohl wegen der angestrebten Änderungen der Rechtschreibung als auch wegen der Vorgehensweise bei der Durchsetzung war die Reform von Anfang an umstritten und führte zu Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern. Die Verlage erwarteten Umstellungskosten in dreistelliger Millionenhöhe. Auch Juristen und Politiker meldeten Bedenken an. Damals forderte u. a. der Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk in der “Frankfurter Erklärung” zu einem Stopp der Reform auf. Die Argumente lauteten: Milliardenteuer, wissenschaftlich unhaltbar, unpädagogisch und undemokratisch durchgesetzt. Einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach 1997 zufolge waren rund 70 Prozent der Deutschen gegen die neuen Regeln. “Überflüssig wie ein Kropf”, meinte sogar der damalige Bundespräsident Roman Herzog (CDU).
Doch wie steht es heute um die Rechtschreibreform? Ist der Konflikt gelöst? Die Antwort ist: Jein. Es gibt im Schritttempo voran. Die Widerspruchsbeseitigung und Regelvereinfachung sind nur in Maßen gelungen. Die Reformgegner sind darüber erbost, dass oftmals zwei Schreibweisen eines Wortes zugelassen sind. 2009 waren der Berliner Forschungsgruppe Deutsche Sprache 350 Fälle bekannt, in denen die damals neu erschienenen Ausgaben der maßgeblichen Rechtschreibwörterbücher “Duden” und “Wahrig” voneinander abwichen. Die größten Unterschiede lagen in der Eindeutschung von Fremdwörtern. Der “Duden” ging hier oft weiter und plädierte für “Schimäre”, “tschau” oder “Kakofonie”, wohingegen der “Wahrig” zu “Chimäre”, “ciao” und “Kakophonie” riet. Zudem fanden die Berliner Forscher im „Duden“ die Schreibweisen “bei Weitem”, “seit Neuestem” und “dahin gehend”, während der „Wahrig“ an “bei weitem”, “seit neuestem” und “dahingehend” festhielt. Heiß diskutierte, vorgeschlagene Neuregelungen wie beispielsweise “Keiser” statt „Kaiser“, “Pitza” statt „Pizza“ oder “Bot” statt „Boot“ wurden von der Kultusministerkonferenz bereits 1996 als unannehmbar zurückgewiesen.
Auf einige alternative Schreibweisen könnte man jedoch durchaus verzichten, da sich im Alltagsgebrauch bestimmte Varianten durchgesetzt haben. Der Rat für die deutsche Rechtschreibung hat im Juli 2011 die Löschung von “Butike” (Boutique), “Fassette” (Facette), “Krem” (Creme), “Maffia” (Mafia), “Myrre” (Myrrhe), “Scharm” (Charme), “Sketsch” (Sketch) und “transchieren” (tranchieren) empfohlen.
Die Neuregelungen der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 gliedern sich in folgende Bereiche:
- Die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben (hierunter fallen auch die Regeln zur Schreibung von Fremdwörtern);
- Groß- und Kleinschreibung;
- Getrennt- und Zusammenschreibung;
- Schreibung mit Bindestrich;
- Zeichensetzung;
- Worttrennung am Zeilenende (die nach der Neuregelung nicht mehr unbedingt eine Silbentrennung ist).
Zu einer der leichtesten und nachvollziehbarsten Regelungen zählt die heysesche s-Schreibung. Die adelungsche s-Schreibung wird in der traditionellen deutschen Rechtschreibung verwendet. Nach der reformierten Schreibung steht “ß” (Eszett) nur noch nach einem langen Vokal und nach einem Diphthong: Maß, außen, gießen. Nach einem kurzen betonten Vokal steht “ss” nicht mehr nur, wenn ein weiterer Vokal folgt, sondern auch vor Konsonanten und am Silbenende, wo in traditioneller Schreibung ein “ß” steht (Fluss, muss, nass, Riss, wässrig).
Dreifachkonsonanten standen nach der alten Rechtschreibung nur dort, wo der folgende Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes mit einer Konsonantenkombination beginnt: “Sauerstoffflasche”, “Werkstatttreppe”. Beginnt der folgende Wortbestandteil mit nur einem Konsonanten, der dem vorangehenden Doppelkonsonanten gleicht, so wurde in der Zusammensetzung einer der drei gleichen Konsonanten weggelassen. In der reformierten Schreibung bleiben immer alle drei Konsonanten erhalten, so dass Dreifachkonsonanten jetzt recht häufig auftreten, beispielsweise in “Schifffahrt”, “Schritttempo”, “wettturnen” und “Flusssenke”.
Der Hauptschauplatz der Reform ist das weite Feld der Groß- und Klein- sowie Getrennt- und Zusammenschreibung. Der frühere rheinland-pfälzische Kultusminister Georg Gölter (CDU) prangerte die Absurditäten der Rechtschreibreform an und erklärte den Unterschied, den der “Duden” zwischen “in bezug” und “mit Bezug” macht, für “völlig belanglos”.
Der Kampf um die Reform war ein seit etwa 1980 währender “Dreißigjähriger Krieg” und ähnelte dem historischen Vorbild darin, dass er insbesondere wegen allgemeiner Erschöpfung endete. Zudem kam es, wie von 1618 bis 1648, im Dreißigjährigen Rechtschreibkrieg zu spektakulären Seitenwechseln. Zahlreiche Reformer wurden mit der Zeit zu Reformgegnern.
Im Juli 2005 wiederholte das Institut für Demoskopie in Allensbach seine Untersuchung zur Akzeptanz der Rechtschreibreform unter der Bevölkerung. Die Reform stoß in der Bevölkerung nach wie vor auf wenig Zustimmung: Lediglich 8 Prozent der Befragten waren Befürworter der Reform, eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent sprach sich gegen die Reform aus. Ob man trotz dieser Zahlen von einer “Schlechtschreibreform” sprechen kann, bleibt offen. Festzuhalten ist dennoch 1., dass die Reform fünf Jahre, nachdem sie am 1. August 2006 endgültig Gesetzeskraft erlangt hat, wie einige Beispiele gezeigt haben, immer noch reformbedürftig ist und 2., dass sich weniger Personen über die Reform aufregen als bei ihrer Einführung und die Korrekturen – wenn auch zähneknirschend – akzeptieren. Schließlich haben die Medien und die Deutschschreiber letztlich den größten Einfluss auf die deutsche Rechtschreibung.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 21.12.1996; wikipedia.de; welt.de, 09.10.2011. Bild: Túrelio (via Wikimedia-Commons), Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-2.5.]
Geschrieben in Sprache allgemein, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
bpb: Gendern in der Sprache
31.10.2011 von Jessica Antosik.
Im November 2011 findet im Medienzentrum der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Bonn das 13. bpb-Forum statt. Das Thema der Veranstaltung lautet: “Gendern in der Sprache”.
Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt über das Thema sowie Forum Folgendes:
Über die Vor- und Nachteile inklusiver Sprache – also der Verwendung männlicher und weiblicher Begriffe gleichermaßen – wird viel diskutiert. Die einen sagen: “Wir sind doch alle gleichberechtigt! Und wenn nicht, lässt sich Gleichberechtigung bestimmt nicht über Sprache generieren.” Die anderen dagegen meinen, Sprache könne die Gleichberechtigung fördern, denn “Sprache prägt und verändert das Bewusstsein.” Die Medienwelt verschließt sich dem Phänomen “gegenderte Sprache” nahezu komplett und argumentiert: “Steht nicht im Duden und ist außerdem viel zu lang.” Wie viel ist dran an diesen Positionen? Können Grammatikregeln tatsächlich gesellschaftliche Wirklichkeit beeinflussen? Gibt es eine Alternative zu Binnen-I und Gender-Gap? Ein Streitgespräch mit Sprachwissenschaftlern/ innen und Journalisten/innen zum Thema Gendern in der Sprache.
Weitere Informationen zum Forum sowie zur Anmeldung finden Sie auf der Website der bpb.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: bpb.de. Bild: bpb.de.]
Geschrieben in Sprache allgemein, Deutsche Sprache, Veranstaltungen | Drucken | Keine Kommentare »
Kampf den Anglizismen: “Wer schief spricht, kann nicht gerade denken”
17.10.2011 von Jessica Antosik.
Edi und Patrick Keck haben Lehnwörtern aus der englischen Sprache den Kampf angesagt. Sie wollen die Reinheit der deutschen Sprache vor der anglizistischen Invasion schützen. Nach Angaben der beiden Autoren handelt es sich bei dem Buch Schluss mit der Engländerei um ein Plädoyer gegen die allgegenwärtige Anglomanie und um eine “Liebeserklärung an die deutsche Sprache”, die insbesondere aus dem Anprangern absurder Auswüchse besteht. “Bei jedem Ausverkauf liest man nur noch ‘Sale’, fast jeder Sendungstitel im Fernsehen hat einen englischen Namen. Und jeder Produktvorteil wird in der Werbung auch nur mehr auf Englisch angepriesen”, so Edi Keck. Einer Studie aus den Neunzigerjahren zufolge stammten rund 40 Prozent aller Neologismen im Deutschen aus der englischen Sprache, 20 Prozent waren deutsch-englische Hybride.
Mittlerweile gilt die deutsche Sprache als Importweltmeister von Wörtern aus anderen Sprachen. Altgriechischen und lateinischen Begriffen sieht man heutzutage nicht mehr ihre Herkunft an. Auch französische Begriffe haben Einzug in den deutschen Wortschatz gefunden. Fremdwörter wie “Garage” oder “Balkon” sind selbstverständlich Bestandteile der deutschen Sprache. “Und auch im Englischen gibt es Begriffe, die man sinnvoll im Deutschen verwenden kann”, sagt Edi Keck. Gegen Wörter wie “Bar”, “Drink” oder “Tipp” ist nichts einzuwenden. “Begriffe wie ‘Human Resources Department’ oder ‘Stakeholder Value’ sind doch nur Sprachwolken, um den Mangel an Inhalt pseudomodern zu kaschieren”, erklärt Edi Keck.
Ihre Abneigung richtet sich vor allem gegen den sog. Managersprech. Dort geht es nämlich um das “Downsizen”, “Outsourcen” sowie den “Break-even-Point”. Zudem haben es die Gegner der Anglizismen auf die Medien und Werbeagenturen abgesehen, die mit englischen Titeln besonders modern und spritzig wirken wollen. Dies hat oftmals zur Folge, dass das Publikum die Botschaft nicht versteht.
Aufgrund der inflationären Verwendung von Anglizismen würden insbesondere ältere Menschen ausgeschlossen bzw. abgeschreckt werden. “Dabei gibt es für viele Dinge auch deutsche Begriffe, die genauso prägnant wie die englischen sind”, meint Keck. “Klapprechner” statt “Laptop”, “Festplatte” statt “Harddisk” oder “Sichtfeld” statt “Display”. Trotz allem würden hauptsächlich die englischen Begriffe verwendet. Dies hat fatale Folgen, denn wo sprachliche Einfalt regiert, ist kein differenziertes Denken möglich. Ganz nach dem Motto von Karl Kraus: “Wer schief spricht, kann nicht gerade denken”. Zwar haben viele Unternehmen ihre Slogans wieder eingedeutscht, allerdings ist Keck der Ansicht, dass es immer noch Unternehmen gibt, die durch die Verwendung der Weltsprache Englisch Größe und Internationalität demonstrieren wollen.
In Frankreich ist der Gebrauch der französischen Sprache in der Werbung, bei Anzeigen, öffentlichen Ankündigungen und auf die elektronische Kommunikation gesetzlich festgelegt. Nachfolgend ein Zitat von Germany Trade and Invest: “Bei der Werbung für Güter, Waren oder Dienstleistungen, gleichgültig, ob sie schriftlich, mündlich oder durch Radio und Fernsehen erfolgt, muss die französische Sprache verwendet werden. Dasselbe gilt für schriftliche Anzeigen und Ankündigungen, die sich an die Öffentlichkeit richten. Das bedeutet, dass fremdsprachige Slogans oder nur schon einzelne fremdsprachige Ausdrücke ins Französische übersetzt werden müssen.”
Ein solches Modell kann sich auch Keck durchaus für Deutschland vorstellen. “Sprache entwickelt sich, aber sie wird auch von oben beeinflusst. Wenn Journalisten, Gesetzesmacher oder Werber keine unnötigen Anglizismen verwenden, wirkt das auch auf die Bevölkerung.”
Der Kampf gegen Anglizismen ist bereits vor vielen Jahrzehnten entbrannt. 1899 veröffentlichte der Germanist Hermann Dunger die Streitschrift mit dem Titel “Wider die Engländerei in der deutschen Sprache”.
Die Autoren
Edi Keck arbeitet seit über 30 Jahren in der Werbung, einen Großteil davon als Geschäftsführer seiner eigenen Agentur; während dieser Zeit war er u. a. Vorstand des Creativ Club Austria (CCA). Patrick Keck ist selbstständiger Texter und Konzeptionist.
Das Buch
Edi & Patrick Keck
Schluss mit der Engländerei
Seiten: ca. 200
Edition Atelier, Wien 2011
Preis: 21,90 Euro
ISBN: 978-3-902498-54-0
Mehr zu diesem Thema auf uepo.de
Nicht immer, aber immer öfter, wird Deutsch missachtet
“Da werden Sie geholfen”: Sprachveränderung durch Werbung
“Übersetzt du noch oder verstehst du schon?” – Stimuliert die Sense
[Text: Jessica Antosik. Quelle: diepresse.com, 01.10.2011; gtai.de, 25.10.2007. Bild: editionatelier.at.]
Geschrieben in Bücher, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 ist da - unzensiert
11.10.2011 von Nina Neumann.

Von A wie Alugurke bis Z wie Zehentanga: endlich alles rallen, was die Jugend so raushaut. Im neuen PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 sind auch dieses Jahr wieder rund 1.500 Wörter gesammelt, die zeigen, wie die Jugend spricht. Was ist passiert, wenn sich Mädels aufbitchen um eingedieselt im Hüpfbunker abzustampfen und Jungs ihre Socken scharf machen um sich am Ende was abzugrätschen und danach einfach abzupixxeln? Tolle Wurst! Nix verstanden? Das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 hilft, die Jugendlichen endlich besser zu verstehen.
Bereits im 11. Jahr hat die PONS-Redaktion auch 2012 in ihrem Original mehr als 1.500 Wörter der Jugendsprache gesammelt, die aus Zuschriften von Tausenden von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen. Die Wörter wurden unzensiert in das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012 übernommen. Es unterhält zudem mit kreativen Ausdrücken und Redewendungen. „Back dir ein Eis, Jonny“, bedeutet beispielsweise „Hau ab, du Depp“. Idioten werden in Deutschland als Birnenpflücker bezeichnet, von österreichischen Jugendlichen als fetzendeppert bloßgestellt oder heißen in der Schweiz einfach nur Gigel. Ältere Menschen werden als Beige betitelt, weil diese oft beigefarbene Klamotten tragen. Personen mit starker Achselbehaarung haben in der Jugendsprache zwei Hippies unter dem Arm, das Fahrrad wird zur Alugurke und Flipflops erhalten die witzige Bezeichnung Zehentangas.
Aber aufgepasst! Wer jetzt denkt, er könnte mitreden, hat nichts verstanden. Denn die Gefahr ist groß, sehr schnell als Chocker, also als uncoole Person, entlarvt zu werden. Deshalb finden sich wieder die Top 20 der uncoolsten Wörter am Ende des Buches. Dort erfährt man, dass chillen mittlerweile ebenso out ist wie fett und geil.
PONS setzt auch für das Jahr 2012 mit seinem Kult-Buch ein Zeichen und präsentiert die wichtigsten Wörter der Jugendsprache. Am besten sofort reinschauen, um nie wieder als Beige oder Birnenpflücker beschimpft zu werden. In diesem Sinne: Tschüss oder lasst Haare wehn!
PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2012. Stuttgart: Klett, 2012. Format: 14,5 x 11 cm, 144 Seiten, Broschur, 3,99 Euro, ISBN 978-3-12-010038-6.
[Text: PONS. Quelle: Pressemitteilung PONS, 05.10.2011. Bild: PONS.]
Geschrieben in Deutsche Sprache, Wörterbücher | Drucken | Keine Kommentare »