| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Apr | Jun » | |||||
| 1 | 2 | |||||
| 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
| 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 |
| 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 |
| 31 | ||||||
- Ausbildung (63)
- Bibel/Koran (11)
- Bücher (61)
- Büroorganisation (13)
- Deutsche Sprache (80)
- Dolmetschen (86)
- Einwanderer (19)
- EU (37)
- Fremdsprachen (41)
- Gebärdensprachdolmetscher (5)
- Gebärdensprache (8)
- Gerichtsdolmetscher (79)
- Geschichte (28)
- Honorare/Gehälter (13)
- Interview (3)
- Literaturübersetzer (99)
- Lokalisierung (11)
- Markt (26)
- Maschinelle Übersetzung (10)
- medizinisch-soziales Dolmetschen (7)
- Missstände (44)
- Nachrichten (60)
- Nachrufe (8)
- Politik (54)
- Porträt (46)
- Qualitätssicherung (9)
- Simultandolmetscher (28)
- Sprache allgemein (45)
- Terminologie (24)
- Übersetzen (28)
- Übersetzungsfehler (28)
- Unternehmen (120)
- Veranstaltungen (148)
- Verbände (119)
- Videos (7)
- Werkzeuge (126)
- Wissenschaft (23)
- Wörterbücher (50)
- Zeitschriften (63)
- 31.1.2012: TC3 - Neues sprachwissenschaftliches Magazin der Uni Mainz
- 30.1.2012: Terminologie: Die Sprache der anderen
- 29.1.2012: Videodokumentation: Daakaka - eine Sprache stirbt aus
- 28.1.2012: Hundenamen im Wandel der Zeiten: Benny und Sammy statt Bello und Hasso
- 27.1.2012: "Urkunden übersetzen" in Hamburg - Bereits großes Interesse an den 1. JurANT
- 26.1.2012: Podiumsdiskussion der Wirtschaftskammer Wien: Sprachdienstleister und ihre Auftraggeber
- 25.1.2012: Neu: "Fachliste Medizin 2012" mit 300 Dolmetschern und Übersetzern
- 24.1.2012: TMS, TBX, SRX, GMX, XLIFF: Standards und Übersetzungen
- 23.1.2012: AGCO setzt bei der Erschließung neuer Märkte auf Lösungen von SDL
- 22.1.2012: Across ist Mitglied des Deutschen Terminologie-Tag e.V.
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
Im Namen der Globalisierung: Englisch als Gerichtssprache in Deutschland

Nach den vielen oberflächlichen Presseberichten zur ersten vollständig englischsprachigen Gerichtsverhandlung in Deutschland, die am 10.05.2010 am Landgericht Bonn stattfand, ist in der Wochenzeitung Die Zeit jetzt ein Artikel erschienen, der sich eingehender mit der Problematik der Gerichtssprache befasst. Hier einige Auszüge:
»Wir müssen verhindern, dass dem deutschen Recht durch die Dominanz des Englischen der Boden entzogen wird«, sagt Hamburgs Justizsenator Till Steffen. Mit der Reform will die Politik den Unternehmen im Land helfen. Wenn häufiger deutsches Recht angewendet werde, sei das nämlich ein Heimvorteil für die Firmen – selbst wenn dabei englisch gesprochen werde.
»Die Idee scheint gut, aber ich weiß nicht, ob sie wirklich durchsetzbar ist«, sagt Christian Groß, der beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag für Zivilrecht zuständig ist. Zu viel sei noch ungewiss: ob die Richter fit genug sind in der Fremdsprache, ob die englischen Akten auch in weiteren Verfahren verwendet werden können, ob sich sprachkundige Sachverständige finden lassen. Rechtsanwalt Georg Maier-Reimer von der Kanzlei Oppenhoff & Partner fürchtet, »dass die Parteien vor Gericht aneinander vorbeireden und das Missverständnis erst im Urteil bemerken«. Zu sehr sei jede Fachsprache von ihrer eigenen Rechtstradition geprägt, als dass man deutsches Recht problemlos auf Englisch verhandeln könne. »Wo die Grenze zwischen Sprache und Recht verläuft, lässt sich nicht eindeutig festlegen.« […]
In der Diskussion um den Paragraphen 184 geht es um weit mehr als nur die Sprache. Es geht um die Frage, welches Recht sich international durchsetzt. Zwei Systeme kämpfen um die Vorherrschaft: das Common Law aus Großbritannien und den USA, bei dem sich die Richter vor allem auf ältere Urteile beziehen, und das Civil Law der Kontinentaleuropäer, das viel stärker auf Gesetzestexten beruht. Es ist ein Streit um Marktanteile und Umsätze, ganz wie zwischen zwei Unternehmen. […]
»Es geht ja keineswegs nur darum, deutsche Rechtsideen zu exportieren«, sagte vor einem Jahr die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. »Es geht auch darum, attraktive Mandate und Streitfälle für deutsche Kanzleien und die deutsche Justiz zu importieren.« Denn Wirtschaftsprozesse sind lukrativ für Anwälte und Gerichte. Ein Berufungsverfahren mit einem Streitwert von einer Million Euro kann teuer werden: Rund 25.000 Euro gehen an die Anwälte und etwa 18.000 Euro an das Gericht. […]
Zu den vehementen Kritikern der Reform gehört Klaus Tolksdorf. Ausgerechnet. Als Präsident des Bundesgerichtshofs ist Tolksdorf sozusagen die oberste deutsche Instanz im Zivilrecht. »Ich warne vor allzu forschen Globalisierungs-Euphorien«, sagte er im Februar in Karlsruhe. Der Gerichtspräsident sprach von drohenden Fehlurteilen und fragte sibyllinisch: »Endet mit Englisch als Gerichtssprache die Sprachverwirrung wirklich, oder fängt sie da erst an?«
Erst jetzt, nachdem die internationalen Anwaltskanzleien und ihre Politiker vollendete Tatsachen geschaffen haben, formieren sich allmählich die Kritiker. Zu ihnen gehören Gerichtsdolmetscher, Rechtsphilosophen, Politiker und Sprachpfleger, die noch um Fassung und Worte zu ringen scheinen.
Den vollständigen Artikel mit der Überschrift „Im Namen der Globalisierung“ können Sie auf der Website der Zeit lesen. Ein weiterer Artikel zum Thema ist im Handelsblatt unter dem Titel „Juristen sollen Englisch lernen“erschienen.
Links zum Thema auf uepo.de
2010-05-08: Bundesrat: Auch Englisch soll zulässige Gerichtssprache sein
2010-05-03: Landgericht Bonn plant erste Gerichtsverhandlung in englischer Sprache
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Zeit Nr. 21, 2010-05-20. Bild und Montage: Richard Schneider.]