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Archive für 5.2.2009

EU-Übersetzer Ioannis Ikonomou spricht 32 Sprachen

Ioannis Ikonomou beherrscht nachweislich 32 Sprachen, hinzu kommen Grundkenntnisse in einigen weiteren. In einem Porträt auf der Website von n-tv heißt es:

Erklären kann er seine Begabung nicht. Er sei wohl damit geboren worden. Als 5-Jähriger habe er Englisch gelernt, zwei Jahre später folgte Deutsch. “Noch bevor ich 10 Jahre alt war, kam Italienisch dazu.” Eine Sprache nach der anderen folgte, es sei “wie ein Spiel”.

Nach dem Studium der vergleichenden Sprachwissenschaften in Saloniki ging er nach New York, um an der Columbia University die Sprachen des Nahen Ostens zu studieren. Anschließend studierte er in Harvard indoiranische und skandinavische Sprachen, dann forschte er in Wien. Nach Brüssel brachte ihn 1994 ein Stipendium des Europaparlaments.

Seit zwölf Jahren arbeitet der 44-Jährige nun schon bei der EU-Kommission in Brüssel - zunächst als Konferenzdolmetscher und seit sechs Jahren als Übersetzer für juristische Fachtexte. EU-Sprachenkommissar Leonard Orban weist darauf hin, dass sein Fall auch in den polyglotten Kreisen der Sprachmittler “absolut außergewöhnlich” sei. Die Autorin des Artikels fragte auch beim größten Berufsverband der Branche nach:

Staunen auch beim Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). “Ein Übersetzer mit fünf Arbeitssprachen oder mehr, ist aus Sicht des BDÜ bereits eine Ausnahmeerscheinung”, erklärt Vereinschef Johann J. Amkreutz. Bei Ikonomou sind es gut fünfmal so viel.

Der Grieche hat sich auch tote Sprachen wie Gotisch, Sanskrit und Latein angeeignet. Als nächstes will er Amharisch lernen, die Amtssprache Äthiopiens.

Seine Tätigkeit bei der EU gefällt dem begeisterten Europäer, auch wenn die Texte, die er zu übersetzen hat, “eher trocken und langweilig sein können“.

Das ausführliche Porträt unseres Kollegen können Sie auf der Website von n-tv lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: n-tv, 2009-02-05; FAZ, 2009-02-06.]

“I don’t understand your English, Miss”. Dolmetschen bei Asylanhörungen

Welche Rolle spielen Dolmetscher bei Asylanhörungen? Erstmals im deutschsprachigen Raum liefert Dr. Sonja Pöllabauer (Graz) fundierte und umfassende Informationen zu diesem ehemals brisanten Thema, das sich inzwischen mehr oder weniger von selbst erledigt hat. Denn die Zahl der Asylbewerber geht seit Jahren massiv zurück.

Im Zentrum der Untersuchung steht eine groß angelegte empirische Fallstudie für Österreich: Die Bedeutung von Dolmetschern im Verfahren, mögliche Normen, von denen sie sich dabei leiten lassen, und die ungleiche Machtsituation bei Asylanhörungen werden aus translationswissenschaftlicher Sicht kritisch beleuchtet und analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Dolmetscher einen weitaus größeren Einfluss auf Asylanhörungen nehmen können, als häufig angenommen wird.

Bei Google Books können weite Passagen des Buches online eingesehen werden.

Sonja Pöllabauer (2005): “I don’t understand your English, Miss”. Dolmetschen bei Asylanhörungen. Gunter Narr Verlag, Tübingen. 484 Seiten, 58,00 Euro, ISBN-10: 3823361759, ISBN-13: 978-3823361756.

[Text: Verlag Gunter Narr, Richard Schneider.]

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