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Archive für 3.2.2009

Wissenschaftssprache Deutsch liegt im Sterben

Die Anhörung des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des Deutschen Bundestags zum Thema “Deutsch als Wissenschaftssprache” vom 26.01.2009 förderte eindeutig zu Tage, dass Deutsch als Wissenschaftssprache immer mehr an Bedeutung verliert. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, fordert die Politik in Bund und Ländern auf, diesem Verlust an kultureller Vielfalt nicht länger tatenlos zu zusehen oder gar ihn zu befördern.

Die deutsche Sprache, die sowohl in den Natur-, in den Ingenieur- als auch den Geisteswissenschaften einmal weltweite Geltung hatte, hat in den Naturwissenschaften bereits heute so gut wie keine Bedeutung mehr. Nur noch 1 Prozent der veröffentlichten naturwissenschaftlichen Beiträge erscheinen noch in deutscher Sprache. Bei ausländischen Wissenschaftlern, die als Gäste nach Deutschland kommen, entsteht, so ein Befund aus der Anhörung, immer mehr der Eindruck, dass Deutschkenntnisse nicht erforderlich sind, um in den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit den Kollegen kommunizieren zu können: Englisch reicht aus. Selbst bei Tagungen in Deutschland wird zunehmend Englisch die alleinige Verkehrssprache. Geradezu absurd ist, wenn Professoren mit Muttersprache Deutsch ihre Studierenden mit ebenfalls Muttersprache Deutsch an deutschen Hochschule in Englisch unterrichten sollen. Der Verzicht auf Deutsch als Wissenschaftssprache in Deutschland ist ein Verzicht auf die eigenen Traditionen und die kritische Reflexion dieser Traditionen.

Der Verlust der Wissenschaftssprache Deutsch bedeutet auch einen Verlust an wissenschaftlichem Denken, denn Wissenschaftsdenken ist auch sprachkulturell geprägt. Auf lange Sicht wird so der Wissenschaftsstandort Deutschland eher leiden als international anschlussfähig

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann (Bild), sagte: „Das Festhalten an der Wissenschaftssprache Deutsch hat nichts mit Deutschtümelei oder gar Nationalismus zu tun. Ganz im Gegenteil, es geht um die Sicherung der kulturellen Vielfalt und den Erhalt kultureller Eigenständigkeit. Es sollte daher selbstverständlich sein, dass auch bei internationalen Tagung in Deutschland Deutsch eine der Verkehrssprachen ist. Ebenso müssen die Geisteswissenschaften, in denen Deutsch als Wissenschaftssprache noch eine größere Bedeutung hat, gestärkt werden. So wird es hoffentlich gelingen, zumindest in einigen Disziplinen Deutsch als Wissenschaftssprache zu erhalten, zu stärken und auszubauen. Weiter müssen wissenschaftliche Publikationen in deutscher Sprache stärker gefördert werden, damit die Wissenschaftssprache Deutsch nicht weiter an Bedeutung verliert. Deutsch als Wissenschaftssprache liegt im Sterben, diese Diagnose wurde gestern im Deutschen Bundestag einmütig gestellt, jetzt sind die Politik aber auch die Wissenschaftsverbände gefordert, eine Therapie zur Rettung zu entwickeln. Kulturelle Vielfalt fängt nämlich auch bei dem Erhalt der eigenen Sprache an.“

[Text: Deutscher Kulturrat. Quelle: Pressemitteilung Deutscher Kulturrat, 2009-01-27. Bild: Deutscher Kulturrat.]

Maria Carlsson hat 50 Jahre lang John Updike übersetzt

Vor wenigen Tagen ist der amerikanische Schriftsteller John Updike gestorben. Die in Hamburg lebende Maria Carlsson hat einen Großteil seiner Romane und Erzählungen ins Deutsche übersetzt - seit 1959.

“Ich habe alles verfolgt, was in Updikes Kopf vorgegangen ist”, erklärt die Übersetzerin im Hamburger Abendblatt. “Ich kenne Updikes Mutter besser als meine eigene Mutter, ich kenne seinen Vater, seine Kinder, seine Ehefrauen, seine Lieben, ich habe mit ihm gelitten, geliebt und gestritten. Updikes Tod ist für mich, als sei mein großer Bruder gestorben.” Persönlich getroffen hat sie den Autor allerdings nur selten. “Wenn ich eine Frage zum Text hatte, hat Updike mir einen Brief geschrieben. Wirklich weitergeholfen hat das aber nie.“

Den Rückblick von Maria Carlsson auf ein halbes Jahrhundert mit Updike können Sie im Hamburger Abendblatt lesen.

[Quelle: Hamburger Abendblatt, 2009-01-29.]

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