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Archive für 26.1.2009

Übersetzungskritik: 35 Jahre Star-Trek-Synchronisation

Es ist keine leichte Aufgabe, ausländische Fernsehserien zu synchronisieren. Besonders schwer haben es die Übersetzer von Kultserien wie Star Trek, denn die Fangemeinde protokolliert gnadenlos jeden Übersetzungsfehler wie diesen hier: „Was ist das für ein Mist, den ich da sehe?“ Diese Frage stellt Beverly Crusher dem Computer, als sie in der TNG-Folge „Das Experiment“ auf ihrem Bildschirm einen nebelartigen Dunst im Weltraum erblickt. Im Original fragt sie: „What’s that mist I’m seeing there?“ (Englisch mist = Deutsch Nebel).

Seit 1973 wird Star Trek ins Deutsche übersetzt. Bernd Schneider hat Übersetzungsfehler und -Probleme aus über 35 Jahren Synchronisationsgeschichte in einem längeren Aufsatz zusammengestellt. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich auch der Stil der Synchronisation verändert. In den 1970er Jahren wurde übertrieben locker und flockig übersetzt. (Schneider: „Im Original hat Kirk zu einem Außerirdischen nie so etwas wie ‘Mach dir mal nicht ins Hemdchen’ gesagt.“) Heute ist der Stil eher spröde. („Seven of Nine spricht im Deutschen gestelzt wie eine pensionierte Oberverwaltungsdirektorin: ,Die Kinder wünschen an dieser Aktivität zu partizipieren.’“)

Manche Schnitzer sind darauf zurückzuführen, dass sich die Übersetzer in der Star-Trek-Welt nicht auskennen. So wird die Anweisung „the forcefield!“ mit „Verringern Sie das Kraftfeld!“ eingedeutscht, obwohl es - wenn man weiß, was gemeint ist - hier nur „Senken Sie das Kraftfeld!“ heißen kann. Ein weiteres Beispiel: Die Maßeinheit „microns“, also simple „Mikrometer“, wird in einigen TNG-Folgen mit „Mikronen“ übersetzt.Vereinzelt wurden aber auch Fehler im Original durch die Synchronisation korrigiert. So kommen Kirk und Spock bei einer Verfolgungsjagd an eine Tunnelgabelung. Kirk deutet nach rechts und sagt im Original zu Spock, er solle nach links gehen. Dann weist er nach links und sagt, dass er selbst in den rechten Gang laufen werde. Die Übersetzer sorgten dafür, dass sich William Shatner mit seiner Rechts-links-Schwäche nicht beim deutschen Publikum blamierte.

Zur Übersetzung der Eigennamen schreibt Schneider:

Pavel Chekov wurde in der deutschen Fassung ohne greifbaren Grund zu „Pane“, was wohl nicht einmal ein russischer Name ist. Spocks Mutter Amanda wurde in TOS: „Die Reise nach Babel“ zu „Emily“ abgeändert. […] Ein Sinn dieser Umbenennungen ist bis heute nicht ersichtlich. Genauso verhält es sich mit Gary Seven, der in TOS: „Ein Planet, genannt Erde“ zu „Felix Sevenrock“ mutierte.

Eine Fehlübersetzung ist übrigens schon der berühmte Vorspann, in dem es heißt: „Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ Kirk und Spock haben unsere Galaxie aber nie verlassen, weil sie es nicht konnten. Für eine Reise zum Rand der Milchstraße hätte auch die Enterprise trotz Warp-Antrieb rund 300 Jahre gebraucht. Im englischen Ausgangstext kommt das Wort „Galaxie“ überhaupt nicht vor. Hier heißt es einfach: „… to boldly go where no man has gone before.“

Trotz dieser Pannen gelten die Star-Trek-Serien und -Filme als gut übersetzt. Verantwortlich für die Synchronisierung waren Bavaria Film Synchron in München und Arena Synchron in Berlin.

Ziemlich verkrampft wirken rückblickend die Zensurmaßnahmen des ZDF zur kindgerechten Aufbereitung der Serie. So wurden in der Folge „Weltraumfieber“ reichlich vorhandene und für die Handlung wichtige erotische und sexuelle Anspielungen bis hin zur völligen Sinnverdrehung getilgt. Die Geschichte handelt davon, dass der gefühlskalte, von Logik und Vernunft beherrschte Spock durch eine Krankheit in das genaue Gegenteil umschlägt: Er mutiert zu einer von Sehnsüchten, Trieben und Gelüsten beherrschten Person.

Patterns of force

Eine andere Folge („Patterns of force“/„Schablonen der Gewalt“), in der Spock in SS-Uniform herumläuft, um einen von Nazis beherrschten Planeten zu retten, wurde dem deutschen Publikum fast dreißig Jahre lang vorenthalten. Erst 1996 wurde sie im Rahmen des Themenabends kunst-stücke im österreichischen Fernsehen ORF im englischsprachigen Original ausgestrahlt und am 04.11.2011 auf dem Spartenkanal zdf_neo (Marktanteil: 0,3 Prozent) in einer synchronisierten Fassung gezeigt. Dabei durfte der Hinweis „nicht für Zuschauer unter 16 Jahren geeignet“ jedoch nicht fehlen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema können Sie auf der Website Ex Astris Scientia lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Ex Astris Scientia; Wikipedia. Bild: NBC.]

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