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Archive für 25.10.2008

Notwendigkeit der Professionalisierung von Dolmetschern in der Justiz

Die §§ 184 und 185 GVG schreiben seit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes im Jahr 1879 beinahe unverändert vor: “Die Gerichtssprache ist Deutsch. Bei Beteiligung von fremdsprachigen Personen vor Gericht ist ein Dolmetscher zuzuziehen.”

In seinem Buch hebt Hafez Balaei zunächst hervor, dass der Dolmetschereinsatz, wie im § 185 GVG vorgeschrieben, verfassungsmäßig erforderlich ist, die Gegebenheiten des Dolmetschereinsatz in der Praxis jedoch dem verfassungsmäßigen Erfordernis nicht gerecht werden. Die fehlende Überprüfbarkeit der Dolmetscherleistung, der unzureichende Umfang der Übersetzungspflicht und letztlich die in den meisten Fällen fehlende Kulturkompetenz der Gerichtsdolmetscher können keine Gewähr für die Überwindung sprachlicher Verfahrenshindernisse bieten. Unter Einbeziehung der einschlägigen Theorien aus dem Bereich der Psycholinguistik zeigt der Verfasser auf, wie herausragend die Rolle des Gerichtsdolmetschers und wie einschneidend dessen Leistung in einem Gerichtsverfahren, insbesondere in einem Strafverfahren, sind.

Nach einem Exkurs über den von Paul Watzlawick u. a. entwickelten Kommunikationsbegriff setzt sich der Verfasser mit den Thesen der “Skopostheorie” sowie den Lehren der “channel reduction and channel amplification” sowie von “scenes-and-frames semantics” auseinander. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, dass eine Professionalisierung von Gerichtsdolmetschern unumgänglich ist und dass die im Ansatz auf diese Professionalisierung zielenden unterschiedlichen Vorschriften der einzelnen Bundesländer zur allgemeinen Beeidigung und/oder öffentlichen Bestellung von Dolmetschern völlig unzulänglich sind.

Abschließend erläutert Balaei seine Vorschläge zur Qualitätssicherung bei Dolmetscheinsätzen im Justizwesen.

Hafez Balaei (2004): Notwendigkeit der Professionalisierung von Dolmetschern im Justizwesen. Hamburg: Dr. Kovac. Studien zur Rechtswissenschaft, Bd. 157; 184 Seiten; ISBN-13: 978-3-8300-1629-8, ISBN-10: 3-8300-1629-8.

[Text: Verlag Dr. Kovac. Bild: Verlag Dr. Kovac.]

Uni Tübingen: Literaturübersetzer als Gastdozenten

An der Eberhard-Karls-Universität Tübingen startet im Sommersemester 2009 ein Pilotprojekt zum literarischen Übersetzen. Gefördert wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung als Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Deutschland und den Ländern Mittel- und Osteuropas.

Ziel ist, jedes Semester namhafte Übersetzer aus den slavischen, westeuropäischen und ostasiatischen Sprachen zu gewinnen, die jeweils für einen Monat als „Translator in Residence“ nach Tübingen kommen und für die Studenten Lehrveranstaltungen zum literarischen Übersetzen anbieten. Zunächst ist eine Testphase geplant, um die Übersetzungsmodule einzurichten. Langfristig sollen die Module in einen internationalen Studiengang eingebunden werden.

Die Gastdozenten arbeiten zum Teil im Tandem in die und aus der Fremdprache. Das Programm beginnt im Sommersemester 2009 mit Dr. Andrzej Kopacki aus Warschau (Deutsch > Polnisch; übersetzt u.a. Hans Magnus Enzensberger, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Michael Krüger) und Doreen Daume aus Wien (Polnisch > Deutsch; übersetzt u.a. Bruno Schulz und Andrzej Kopacki). Im Wintersemester 2009/2010 sollen Russisch und Norwegisch folgen.

Die Einrichtung solcher Übersetzungsmodule mit professionellen Übersetzern, speziell auch unter Berücksichtigung „kleinerer“ Sprachen, ist in Deutschland bisher einmalig. Kulturelle Veranstaltungen sollen diesem Projekt eine breite Öffentlichkeitswirkung garantieren - dazu zählen sowohl Lesungen international renommierter Autoren als auch übersetzungsspezifische Veranstaltungen.

Initiiert wurde das Projekt durch Prof. Schamma Schahadat und Dr. Renata Makarska vom Slavischen Seminar der Universität Tübingen. Kooperationspartner sind Prof. Jürgen Wertheimer vom Deutschen Seminar, die Hölderlin-Gesellschaft und das Studio Literatur und Theater.

[Text: Michael Seifert. Quelle: Pressemitteilung Uni Tübingen, 2008-10-23.]

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